Sprachvielfalt in Weißenfelser Kitas: Mehrsprachige Bücher überzeugen
Die Einführung mehrsprachiger Kinderbücher im Burgenlandkreis stieß zunächst auf gewisse Vorbehalte und Skepsis. Doch wie sich in der Weißenfelser Kita St. Elisabeth zeigt, wandeln sich diese Zweifel schnell in Begeisterung, wenn die praktischen Vorteile sichtbar werden.
Erste Erfolge mit türkischen Zahlen
Die fünfjährige Malya Sperling zählt stolz und fehlerfrei „Bir, iki, üç“ – die Zahlen eins bis drei auf Türkisch. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie frühkindliche Sprachförderung durch mehrsprachige Materialien funktionieren kann. Malya hat diese Kenntnisse nicht in der Kita erworben, sondern bei einem „Onkel“, der einen Dönerladen in Weißenfels betreibt und ihr gelegentlich auf Deutsch und Türkisch vorliest.
Diese private Initiative zeigt das Potenzial, das in systematischer mehrsprachiger Bildung steckt. Die Kita St. Elisabeth hat nun selbst mehrsprachige Kinderbücher in ihr Angebot aufgenommen und erste positive Rückmeldungen erhalten.
Erzieherinnen und Eltern überzeugen sich
Erzieherin Manuela Knittel betont die Bedeutung dieser Bücher für die Sprachkompetenzentwicklung: „Kinder sind von Natur aus neugierig auf Sprachen. Mehrsprachige Bücher nutzen diese natürliche Lernbereitschaft und fördern gleichzeitig das Verständnis für andere Kulturen.“
Vater Martin Sperling, dessen Tochter Malya bereits erste Türkischkenntnisse zeigt, unterstützt die Initiative: „Es ist faszinierend zu sehen, wie schnell Kinder neue Sprachen aufnehmen. Diese Bücher bieten eine wunderbare Grundlage für spätere Sprachkenntnisse.“
Vielfältige Sprachen im Fokus
Die mehrsprachigen Kinderbücher in der Kita St. Elisabeth umfassen verschiedene Sprachen, die in der Region präsent sind:
- Türkisch als eine der häufigsten Migrationssprachen
- Englisch als globale Verkehrssprache
- Weitere Sprachen, die in der Kita-Gemeinschaft vertreten sind
Erzieherin Ljusja Wihan erklärt den pädagogischen Ansatz: „Wir integrieren die Bücher spielerisch in den Alltag. Die Kinder entdecken dabei nicht nur neue Wörter, sondern lernen auch, dass verschiedene Sprachen gleichwertig sind.“
Von Skepsis zur Akzeptanz
Die anfänglichen Bedenken im Burgenlandkreis bezogen sich vor allem auf folgende Punkte:
- Befürchtung einer Überforderung der Kinder
- Frage nach dem pädagogischen Nutzen
- Integration in den bestehenden Bildungsplan
Diese Bedenken konnten durch die positiven Erfahrungen in der Praxis weitgehend ausgeräumt werden. Svitlana Kucher, die mit ihrer Nichte Varvara Shvets die Kita besucht, berichtet: „Anfangs war ich unsicher, ob das nicht zu viel für die Kinder ist. Aber jetzt sehe ich, wie viel Freude sie daran haben und wie natürlich sie mit den verschiedenen Sprachen umgehen.“
Langfristige Perspektiven
Die Einführung mehrsprachiger Kinderbücher in Weißenfelser Kitas ist Teil eines größeren Trends zur frühen Sprachförderung. Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder im Vorschulalter besonders aufnahmefähig für Sprachen sind und dass mehrsprachige Erziehung kognitive Vorteile mit sich bringt.
Die Kita St. Elisabeth plant, ihr Angebot an mehrsprachigen Materialien weiter auszubauen und regelmäßige Vorlesestunden in verschiedenen Sprachen anzubieten. „Unser Ziel ist es, den Kindern eine positive Einstellung zu Sprachenvielfalt zu vermitteln“, fasst Erzieherin Manuela Knittel zusammen.
Die anfängliche Skepsis gegenüber mehrsprachigen Kinderbüchern im Burgenlandkreis weicht somit zunehmend der Erkenntnis, dass frühe Sprachförderung in mehreren Sprachen nicht nur möglich, sondern pädagogisch wertvoll ist. Die Erfahrungen in Weißenfels zeigen, wie solche Initiativen konkret umgesetzt werden können und welche positiven Effekte sie auf die kindliche Entwicklung haben.



