Berliner Hochschulen kürzen Studienplätze: Sparmaßnahmen führen zu drastischen Einschnitten
Das Sommersemester hat zwar begonnen, doch an Berlins staatlichen Hochschulen stehen tiefgreifende Einschnitte bevor. Studiengänge sollen gestrichen, Studienplätze abgebaut und zahlreiche Stellen nicht mehr nachbesetzt werden. Hintergrund sind die neu verhandelten Hochschulverträge, die geringere Grundzuschüsse als ursprünglich geplant vorsehen.
Zwar übernimmt das Land Berlin seit Jahresbeginn die Pensionslasten der verbeamteten Hochschulbeschäftigten und sind für 2027 und 2028 zusätzliche 62 Millionen Euro vereinbart. Weitere rund 156 Millionen Euro sind für ein Solidarmodell vorgesehen, das vor allem kleinere Hochschulen stärken soll. Der Knackpunkt bleiben jedoch die Grundzuschüsse, die weniger stark steigen als zunächst geplant.
Die Lage an den großen Universitäten
Humboldt-Universität (HU): „Angesichts der massiven Kürzungen muss die Universität in allen Bereichen drastisch sparen, um weiterhin leistungsfähig zu bleiben“, erklärte eine HU-Sprecherin. Vergangenes Jahr standen der Universität bereits rund 24,4 Millionen Euro weniger zur Verfügung. Ab dem 1. April 2026 dürfen frei werdende Stellen zunächst sechs Monate lang nicht neu besetzt werden – diese Regelung gilt befristet bis zum 31. Dezember 2027. Die HU arbeitet an einem Gesamtsparplan, der alle Bereiche betrifft. Ziel sei es, möglichst wenige Studienplätze abzubauen – und wenn, dann vor allem in wenig nachgefragten Fächern.
Freie Universität (FU): Der FU stehen in diesem Jahr 42,41 Millionen Euro weniger zur Verfügung. Alle Fachbereiche und Verwaltungsbereiche sind von Kürzungen im Personalbudget von rund 10 Prozent betroffen. Im Wissenschaftsbereich treffen die Einschnitte vor allem befristete Stellen und damit Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die Kürzungen werden vollumfänglich in den kommenden acht bis zehn Jahren umgesetzt, wobei die Universität alles daransetzt, das Studienangebot und die Qualität bestmöglich aufrechtzuerhalten.
Technische Universität (TU): „Die finanzielle Haushaltslage und die Budgetkürzungen sind große Herausforderungen, auch unsere Bausubstanz. Was das anbelangt, ist die Stimmung insgesamt bedrückend“, sagte TU-Präsidentin Fatma Deniz. Die TU Berlin muss bis Ende 2028 einen Betrag von 65 Millionen Euro dauerhaft kürzen, was 15 Prozent des Haushaltes entspricht. Gleichzeitig beläuft sich der Sanierungsstau für die Hochschule auf 2,4 Milliarden Euro. Bereits 2025 erklärte die TU, 18 Strukturprofessuren sowie zahlreiche Stellen für wissenschaftliche Mitarbeitende streichen zu müssen – mit mindestens 5.000 weniger Studienplätzen als Folge.
Fachhochschulen und Kunsthochschule betroffen
Universität der Künste (UDK): Die UDK erwartet bis 2028 ein Defizit von 7,5 Millionen Euro. Eine der Folgen ist die Einstellung des Master-Studiengangs Lied / Oratorium / Konzert der Fakultät Darstellende Kunst. In einzelnen Fällen sind Kürzungen von Studienplätzen im zweistelligen Bereich angedacht. 17 Vollzeit-Professorenstellen, 18 Vollzeitstellen im Mittelbau und 27 Vollzeitstellen in der zentralen Verwaltung sollen wegfallen. Die UDK spricht von der am weitreichendsten Umstrukturierung seit den letzten drastischen Kürzungsvorgaben 2003/2004.
Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW): Bis 2028 muss die HTW 41 Millionen Euro sparen. In der Folge könnten dadurch pro Jahr 430 Studienplätze weniger angeboten werden – 320 Bachelor- und 110 Master-Studienplätze. In den Blick genommen werden Studiengänge, die nicht ausgelastet sind. Folgende Studiengänge könnten gestrichen werden: der Fernstudiengang Maschinenbau, der Master Construction and Real Estate Management und der Fernstudiengang BWL. Die Personalstellen sollen um rund zehn Prozent reduziert werden, was etwa 80 Stellen entspricht.
Berliner Hochschule für Technik (BHT): In den Bachelor-Studiengängen sollen etwa 320 Plätze gestrichen werden, vor allem in nicht ausgelasteten Studiengängen. Komplett gestrichen werden die Studiengänge Elektromobilität und Computational Engineering and Design. Geplant ist auch, von den zwei Physik-Studiengängen nur einen weiterzuführen. In Lehre und Forschung sollen 34 Strukturprofessuren wegfallen. Die BHT musste allein vergangenes Jahr acht Millionen Euro sparen und muss bis 2028 weitere 15 Millionen Euro aus Rücklagen verwenden.
Auswirkungen auf Studierende und Personal
Die Sparmaßnahmen betreffen nicht nur das Studienangebot, sondern haben auch erhebliche Auswirkungen auf das Personal. An allen Hochschulen werden Stellen abgebaut oder nicht nachbesetzt, was besonders befristet beschäftigte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler trifft. Die Hochschulen betonen zwar, dass sie versuchen, die Qualität der Lehre aufrechtzuerhalten, doch die Kürzungen werden zwangsläufig zu einem schlankeren Studienangebot führen.
Die TU Berlin hat die geänderten Hochschulverträge als einzige staatliche Hochschule noch nicht unterschrieben. Ob und wann die neue Präsidentin Fatma Deniz dies nachholt, ließ sie bei einem Interview im März offen. Die anderen Hochschulen haben die Verträge bereits unterzeichnet und setzen die Sparmaßnahmen nun um.
Insgesamt zeigt sich, dass die finanziellen Herausforderungen des Landes Berlin tiefgreifende Auswirkungen auf die Hochschullandschaft haben. Während die Studierendenzahlen an den großen Universitäten weiterhin hoch sind – die HU zählte im Oktober vergangenen Jahres rund 35.000 Studierende, die FU 34.500 und die TU 34.000 – wird das Angebot in den kommenden Jahren deutlich schmaler ausfallen.



