Eine aktuelle Bilanz zum Radwege-Ausbau in Berlin offenbart deutliche Unterschiede zwischen den Bezirken. Während einige Stadtteile in den vergangenen Jahren kräftig in die Fahrradinfrastruktur investiert haben, hinken andere deutlich hinterher. Die neue Datenlage zeigt, wie viel in den einzelnen Bezirken tatsächlich gebaut wurde und wo noch Nachholbedarf besteht.
Große Diskrepanzen beim Ausbau
Laut der am Freitag veröffentlichten Statistik variiert die Länge der neu gebauten Radwege pro Bezirk erheblich. Spitzenreiter ist der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, wo in den letzten drei Jahren über 15 Kilometer neue Radwege entstanden sind. Schlusslicht ist dagegen Spandau mit lediglich knapp drei Kilometern. Auch Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick liegen weit unter dem Durchschnitt.
Gründe für die Unterschiede
Als Hauptgründe für die Ungleichheiten nennen Experten die unterschiedlichen finanziellen Ressourcen der Bezirke sowie die Prioritätensetzung in der Verwaltung. Während wohlhabendere Bezirke mehr Geld in den Radverkehr investieren können, fehlt es anderen an Personal und Planungskapazitäten. Zudem spielen die geografischen Gegebenheiten eine Rolle: In dicht besiedelten Innenstadtbezirken ist der Platz für Radwege oft knapper, während Außenbezirke mehr Fläche zur Verfügung haben.
Verlangsamung des Tempos
Die neue Bilanz zeigt auch, dass sich das Tempo des Radwege-Ausbaus in Berlin insgesamt verlangsamt hat. Während in den Jahren 2023 und 2024 noch Rekordwerte erzielt wurden, sank die Gesamtlänge der neu gebauten Radwege im Jahr 2025 um rund 20 Prozent. Dies führen Politiker und Verbände auf Planungsverzögerungen und Personalmangel in den Bezirksämtern zurück.
Forderungen nach mehr Investitionen
Angesichts der Ergebnisse fordern Radverkehrsverbände wie der ADFC eine gerechtere Verteilung der Mittel und eine stärkere Steuerung durch das Land Berlin. „Es kann nicht sein, dass der Radwege-Ausbau vom Wohnort abhängt. Jeder Berliner und jede Berlinerin hat ein Recht auf sichere Radwege“, so ein Sprecher. Die Senatsverkehrsverwaltung kündigte an, die Bezirke künftig stärker zu unterstützen und mehr Personal für die Planung bereitzustellen.
Ausblick auf die kommenden Jahre
Bis 2030 will Berlin den Radverkehrsanteil auf 30 Prozent steigern. Dafür sind nach Berechnungen des Senats jährlich mindestens 30 Kilometer neue Radwege nötig. Angesichts der aktuellen Entwicklung scheint dieses Ziel ambitioniert. Die neue Bilanz soll nun als Grundlage dienen, um die Maßnahmen in den Bezirken besser zu koordinieren und den Ausbau zu beschleunigen.



