Bei sommerlichen Temperaturen wird der öffentliche Nahverkehr in deutschen Städten für viele Fahrgäste zur Qual. Besonders in den neuen U-Bahnen Berlins, die über keine Klimaanlagen verfügen, erleben Pendler derzeit den ersten großen Hitzetest. Auch in anderen Städten müssen Fahrgäste in Bussen und Bahnen schwitzen, während die Ursachen für die mangelnde Kühlung vielfältig sind und eine schnelle Abhilfe schwierig erscheint.
Berlins neue U-Bahnen ohne Klimaanlage
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben neue U-Bahn-Züge in Dienst gestellt, die bei der Planung auf eine Klimaanlage verzichteten. Nun zeigt sich, dass die Fahrzeuge bei Außentemperaturen über 30 Grad Celsius zu regelrechten Wärmefallen werden. Fahrgäste berichten von Temperaturen jenseits der 40 Grad in den Waggons. Die BVG verweist darauf, dass die neuen Züge mit einer verbesserten Lüftung ausgestattet seien, doch reicht dies bei extremen Hitzeperioden offenbar nicht aus.
Warum Klimaanlagen im Nahverkehr selten sind
Der Einbau von Klimaanlagen in Bussen und Bahnen ist technisch anspruchsvoll und teuer. Viele ältere Fahrzeuge wurden ohne Kühlung konzipiert, eine Nachrüstung ist oft nicht wirtschaftlich. Zudem müssen die Anlagen robust sein und den Vibrationen sowie Temperaturschwankungen im Betrieb standhalten. Auch der Energieverbrauch spielt eine Rolle: Klimaanlagen erhöhen den Strombedarf erheblich, was bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen die Reichweite reduziert.
Folgen für Fahrgäste und Personal
Die Hitze in den Fahrzeugen führt nicht nur zu Unbehagen, sondern kann auch gesundheitliche Risiken bergen. Besonders ältere Menschen, Schwangere und Personen mit Vorerkrankungen sind gefährdet. Das Fahrpersonal leidet ebenfalls unter den extremen Bedingungen, da die Fahrerkabinen oft noch stärker aufgeheizt sind. Gewerkschaften fordern daher verbindliche Temperaturgrenzen und Schutzmaßnahmen.
Laut einer Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2024 sind die Temperaturen in öffentlichen Verkehrsmitteln an heißen Tagen im Durchschnitt um 5 bis 10 Grad höher als die Außentemperatur. In Berlin wurden an einzelnen Messpunkten bereits 45 Grad erreicht. Ein Fahrgast äußerte sich gegenüber dem SPIEGEL: „Es ist unerträglich, man kommt verschwitzt an der Arbeit an und fühlt sich schon vor dem ersten Kaffee erschöpft.“
Lösungsansätze in anderen Städten
Einige Städte setzen bereits auf Maßnahmen, um die Hitze in Bussen und Bahnen zu reduzieren. In München wurden neue Straßenbahnen mit leistungsstarken Klimaanlagen ausgestattet, die bei hohen Außentemperaturen für angenehme Temperaturen sorgen. Hamburg testet derweil eine spezielle Beschichtung der Fenster, die die Sonneneinstrahlung reduziert. Auch die Nachrüstung von Klimaanlagen in älteren Fahrzeugen wird in vielen Städten geprüft, scheitert aber oft an den hohen Kosten.
Ausblick: Hitzeaktionspläne für den Nahverkehr
Angesichts zunehmender Hitzewellen fordern Experten einen Hitzeaktionsplan für den öffentlichen Nahverkehr. Dazu gehören neben dem Einbau von Klimaanlagen auch bauliche Maßnahmen wie Verschattung an Haltestellen und verbesserte Lüftungskonzepte. Die Deutsche Bahn hat bereits angekündigt, bei Neubeschaffungen von Regionalzügen künftig auf Klimaanlagen zu setzen. Im Nahverkehr der Städte bleibt die Umsetzung jedoch eine Herausforderung, da die Finanzierung oft ungeklärt ist.



