Ernüchternde Fahrrad-Realität in der Großstadt
Der Zickzack-Kurs der Politik ist ein großes Ärgernis. Am neuen Fahrradweg entlang des Botanischen Gartens erfreuen sich viele Studierende und Uni-Angestellte. Per Dekret des Berliner Senats soll der aber bald verschwinden. Unsere Kolumnistin fragt sich, wo sie dann stattdessen radeln soll.
Als ich zum ersten Mal an der Freien Universität einen Vortrag hielt, kam ich aus der Fahrradstadt Freiburg nach Berlin. Mein Gastgeber fuhr mich aus Kreuzberg nach Dahlem mit dem Auto. Ich war beeindruckt – auch von dem mehrgeschossigen Parkdeck, das die Universität für ihre Angestellten hatte.
Was nachhaltige Mobilität angeht, hat sich seitdem einiges getan. Universitäten und Forschungsinstitute sollen auf allen Ebenen nachhaltiger werden, um die Klimaziele zu erreichen. Dies betrifft alle Bereiche, von der Gebäudeisolation und dem Heizen bis hin zur Forschungspraxis. Auch die Anfahrt zum Studium und zur Arbeit soll möglichst mit dem öffentlichen Nahverkehr oder aber dem Fahrrad erfolgen. Dafür gibt es Jobtickets und sogar einige Dienstfahrräder.
Der Trend gegen das Fahrrad ist real
„Aye, there’s the rub“, würde Shakespeare sagen: Es gibt einen Haken. Denn nicht nur fährt man in diesem Vorwahlkampf fast ausschließlich an Plakaten von Autoparteien vorbei. Nun soll per Senatsdekret auch noch die neue Radspur auf der Straße Unter den Eichen entlang des Botanischen Gartens wieder abgeschafft werden. Auf der Straße Unter den Eichen in Steglitz-Zehlendorf staut sich der Autoverkehr: Jetzt will die CDU-geführte Verkehrsverwaltung den 2022 in Richtung Zehlendorf eingerichteten Radstreifen zurückbauen. Radler und Fußgänger sollen sich den schmalen Gehweg teilen.
Wer wie die Autorin dort mehrfach wöchentlich im Berufsverkehr entlangradelt, kann sehen, wie intensiv diese Spur genutzt wird. Von Studierenden und Mitarbeitenden an der Freien Universität, von Schülern und von Eltern, die ihre Kinder in die lokalen Kitas bringen. Den alten, schmalen Radweg neben dem Gehweg gibt es noch. Auf ihm zu fahren, erfordert jedoch einen Slalom zwischen Baumwurzeln und Fußgängern. Jüngere Erwachsene mögen dem noch gewachsen sein. Doch gilt dies sicher nicht für Kinderanhänger, ältere Fahrradfahrer oder alle, die aufgrund längerer Arbeitswege ein gewisses Grundtempo halten müssen.
Die Freie Universität, genauer: deren Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie, setzte sich noch im letzten Sommer für einen Radweg auf der Thielallee ein, um sichere Mobilität für ihre Studierenden zu erreichen. Man kann nur hoffen, dass sie jetzt hier ihre Stimme erhebt.



