Berlin erlebt eine extreme Hitzewelle mit einem neuen Temperaturrekord von 39,5 Grad, gemessen am Samstagnachmittag an der Wetterstation in Berlin-Tempelhof. Der bisherige Rekord von 38,6 Grad aus dem Jahr 2015 in Köpenick wurde damit übertroffen. In Potsdam wurden sogar 39,9 Grad registriert. Die Auswirkungen sind vielfältig: Zahlreiche Ampeln fallen aus, Freibäder sind überfüllt, und die Polizei setzt Wasserwerfer zur Abkühlung ein.
Rekordhitze und ihre Folgen
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete am Samstagnachmittag einen Hitzerekord in der Hauptstadt. 39,2 Grad wurden zunächst an der Wetterstation in Berlin-Tempelhof gemessen, im Tagesverlauf stiegen die Werte auf bis zu 39,5 Grad an. Der bisherige Temperaturrekord wurde 2015 in Köpenick mit 38,6 Grad gemessen. In Potsdam verzeichnete die Wetterstation am Samstag sogar 39,9 Grad.
Die extreme Hitze führt zu zahlreichen Ausfällen und Einschränkungen. Wie der Verkehrsservice vom „RBB-Inforadio“ berichtet, sind im gesamten Stadtgebiet 19 Ampeln oder Spuranzeiger außer Betrieb beziehungsweise defekt. Genauere Hintergründe zu den Ausfällen sind unbekannt. Das Lagezentrum der Berliner Polizei konnte zu dem Sachverhalt zunächst keine Auskunft erteilen.
Überfüllte Freibäder und geschlossene Getränkemärkte
Fast alle Berliner Freibäder haben den Verkauf von weiteren Tickets gestoppt, weil sie zu voll sind. Laut der Webseite der Berliner Bäder werden nur noch Menschen eingelassen, die bereits ein Zeitfenster-Ticket gebucht haben oder ein Abo besitzen. Einzig im Strandbad Wannsee ist demnach noch Platz. Vor dem Sommerbad Mariendorf an der Rixdorfer Straße steht die Polizei mit mehreren Einsatzfahrzeugen vor dem Eingang. Beamte verkünden mit Megafonen, es würden nur noch Personen mit Tickets eingelassen. In der Schlange vor dem Eingang warten noch zahlreiche Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, berichtet eine Tagesspiegel-Reporterin. Auch am Sommerbad Pankow ist die Polizei im Einsatz. Wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur (DPA) sagte, helfen die Beamten auch dort dem Personal des Bades und informieren die vielen wartenden Menschen mit Lautsprechern, dass niemand mehr eingelassen wird. Vor beiden Bädern seien jeweils bis zu 400 Menschen vor Ort, sagte die Polizei dem Tagesspiegel.
In Berlin-Friedrichshain bleibt ein Rewe-Getränkemarkt wegen der extremen Hitze am Samstag geschlossen. Da es keine Klimaanlage gebe, sei es unverantwortlich, bei diesen Temperaturen körperlich zu arbeiten. Der Hauptmarkt bleibt jedoch geöffnet, heißt es auf einem Hinweisschild am Getränkemarkt.
Wasserwerfer-Einsatz und erhöhte Polizeipräsenz
Mit zwei Wasserwerfern ist die Berliner Polizei derzeit im Stadtgebiet unterwegs, um für Abkühlung zu sorgen. Erster Halt: Brandenburger Tor. Hier freuen sich Berliner und Besucher über den Sprühregen. Zweimal 9000 Liter Wasser haben die Beamten nach eigenen Angaben schon verbraucht. Nun wird der Tank aufgefüllt, dann soll es am Potsdamer Platz weitergehen. Die Polizei kündigte an, ihre Wasserwerfer auch in Charlottenburg zur Erfrischung einzusetzen. Mit den Fahrzeugen wollen die Beamten Sprühregen generieren, in dem sich jedermann abkühlen darf. Die Aktion begann zwischen 13.45 und 14 Uhr und wurde an folgenden Orten fortgesetzt: Pariser Platz und Platz des 18. März, Humboldtforum und Lustgarten, Rotes Rathaus, Potsdamer Platz, Schloss Charlottenburg. Die Polizei weist darauf hin, dass Orte kurzfristig entfallen und dafür andere hinzukommen können.
Auch die Berliner Polizei stellt sich auf die besondere Lage mit der ungewöhnlich starken Hitze am Wochenende ein. Man wolle in der Stadt fortlaufend eine hohe Polizeipräsenz zeigen, sagte ein Sprecher der dpa. Dazu gebe es auch Sonderstreifen, die im ganzen Stadtgebiet unterwegs seien. An solchen Tagen käme einiges zusammen: freie Tage für die meisten Menschen am Wochenende, eine volle Stadt, in der die Touristensaison bereits laufe, die Schulferien aber noch nicht begonnen hätten, sowie eine extreme Hitze mit Auswirkungen auf Gesundheit und das Verhalten der Menschen.
Hitzeschäden auf Autobahnen und Bahnausfälle
Die Schäden auf der Autobahn 2 zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt werden immer größer. Die A2 gehe immer weiter kaputt, sagte ein Sprecher der Polizei. Der betroffene Streckenabschnitt bei Ziesar werde immer größer. Dadurch müsse „Anschlussstelle für Anschlussstelle“ gesperrt werden. Der Verkehr werde dann über Landstraßen abgeleitet. Die Schäden sind laut Polizei teilweise so heftig, dass ein unfallfreies Gleiten über die Fahrbahn nicht möglich ist. Wegen der Sperrungen auf der A2 kam es erneut zu Staus. Auf der Autobahn wurden am Donnerstag bei Burg (Sachsen-Anhalt) in Richtung Hannover und zwischen Ziesar und Wollin (beides Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg) in Fahrtrichtung Berlin durch Hitze entstandene Schäden an der Fahrbahn festgestellt. Auch auf den Umleitungsstrecken komme es zu erheblichen Staus, hieß es kurz darauf. Grundsätzlich werde empfohlen, die A2 sehr weiträumig zu umfahren. „Die aktuellen Stau-Angaben auf Google Maps sind nicht korrekt, die Wartezeiten sind deutlich länger als dargestellt“, betonte die Sprecherin. Wer trotzdem fahre, solle sich auf lange Wartezeiten einstellen und dafür etwa ausreichend Getränke, Verpflegung sowie regelmäßig benötigte Medikamente mitnehmen.
Wegen der erwarteten Hitze am Wochenende entfallen auf den Regionalbahnlinien RE1 und RE8 die Stopps Schwerin Süd und Holthusen. Die betroffenen Linien verkehren zwischen Hamburg und Rostock (RE1) beziehungsweise Wismar, Berlin und Elsterwerda (RE8). Grund sind nach Angaben der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg) die fehlenden Möglichkeiten, sich an diesen Bahnhöfen während des Umstiegs vor der Hitze zu schützen. Alternativ bestünde die Umsteigemöglichkeit zwischen RE1 und RE8 im Schweriner Hauptbahnhof. Nicht betroffen seien die Züge des RE8, die ausschließlich zwischen Ludwigslust, Schwerin Hbf und Wismar sowie in der Gegenrichtung verkehrten. Die Einschränkung gilt den Angaben zufolge ab Samstag 0.00 Uhr bis Sonntag 24.00 Uhr.
Waldbrandgefahr und Badesicherheit
Die anhaltende Trockenheit lässt die Waldbrandgefahr am Wochenende zunächst weiter steigen. In fast allen Landkreisen Brandenburgs gilt derzeit eine hohe Gefahrenstufe. In Potsdam-Mittelmark, den Städten Potsdam und Brandenburg an der Havel sowie in der Prignitz und im Havelland wird sie sogar als sehr hoch eingestuft, wie das Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz mitteilte. Auch innerhalb Berlins reicht die Waldbrandgefahr laut Waldbrandgefahrenindex des DWD je nach Bezirk von mittel bis sehr hoch.
Ein Sprung kopfüber ins flache Wasser kann schwerwiegende Verletzungen zur Folge haben, warnen Experten. „Die Halswirbelsäule ist besonders fragil“, sagt Jan Schwab, Direktor der Klinik für Rückenmarkverletzte und Paraplegiologie am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin (UKB), der dpa. „Das führt direkt zu einer Lähmung“, sagte Schwab, dann seien Beine und Arme betroffen. „Wenn man den Boden nicht sieht, auf keinen Fall springen.“ Schwab sieht davon am UKB jährlich mindestens zehn Fälle. Oft handele es sich um „übermütige junge Männer“, die aus Lebensfreude kopfüber ins flache Wasser springen und im Anschluss querschnittsgelähmt seien. Auch Alkohol spiele oft eine Rolle. „Man möchte die Lebensfreude nicht einschränken“, sagte Schwab. „Aber es ist eine vermeidbare Verletzung.“ Ein bis anderthalb Meter tiefes Wasser sei zu flach für einen Sprung kopfüber, sagte Schwab, der auch eine Professur für Klinische und Experimentelle Paraplegiologie an der Charité hat. Auch zwei bis zweieinhalb Meter können zu flach sein, je nach Sprunghöhe. Er empfiehlt, auch nicht in Hockstellung ins Wasser zu springen, weil dann Beckenfrakturen möglich seien.
Weitere Auswirkungen und Tipps zur Abkühlung
Die Berliner Feuerwehr meldet ein deutlich erhöhtes Einsatzaufkommen. Wie ein Feuerwehrsprecher dem Tagesspiegel mitteilte, rechnen die Einsatzkräfte am Samstag mit einem vergleichbaren Aufkommen wie am Freitag, als über 300 Einsätze mehr als an durchschnittlichen Tagen gezählt wurden. Die Rettungskräfte fahren vor allem wegen vermehrter Hitzeeinsätze raus, darunter Kreislaufbeschwerden, Kreislaufstillstände und Einsätze an den Badestellen.
Die Berliner Wasserbetriebe weisen darauf hin, dass es in der Stadt zahlreiche Wasserstationen gibt: An 250 Trinkbrunnen in der ganzen Stadt können Berliner sowie Besucher sich jederzeit erfrischen oder ihre mitgebrachte Flasche auffüllen. Beim Trinkbrunnen am Mauerpark sorgt am ersten Berliner Cooling Point sogar eine Vernebelungsanlage für angenehme Kühle. Wasserspender in öffentlichen Gebäuden wie Bürgerämtern oder Bibliotheken sind ebenfalls beliebte Anlaufstellen. In Berlin gibt es mehr als 600 Refill-Stationen. Ein hellblauer Aufkleber mit der Aufschrift Refill verrät, welche Cafés, Geschäfte, Apotheken oder Arztpraxen kostenlos die mitgebrachte Wasserflasche auffüllen. Aber Achtung bei den 163 Zierbrunnen, die derzeit in Berlin in Betrieb sind: „Ihr Wasser ist kein Trinkwasser und sollte weder getrunken noch zum Befüllen von Flaschen verwendet werden“, heißt es von den Wasserbetrieben.
Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat wegen der extremen Hitze ihren am Sonntag geplanten Sommer-Empfang der Kirchenleitung abgesagt. Die Entscheidung sei „aus Verantwortung für die Gesundheit aller Gäste und Mitarbeitenden“ getroffen worden, teilte die Landeskirche am Freitag in Berlin mit. Die Verleihung des Ehrenamtspreises, der Paul-Gerhardt-Medaille, soll zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr nachgeholt werden.



