Schwarz-Rot stößt mit Krankschreibung ab Tag eins auf Widerstand
Krankschreibung an Tag eins: Ärger in der Koalition

Der Vorstoß der schwarz-roten Koalition, Arbeitnehmern eine Krankschreibung bereits am ersten Krankheitstag abzuverlangen, stößt auf erbitterten Widerstand innerhalb der Regierungsparteien. Besonders deutlich fällt die Kritik aus der Christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) aus.

CDA-Vize: „Die politische Klasse ist jeglich jeder Lebensrealität“

Christian Bäumler, erster Vize-Vorsitzender der CDA, zeigt sich empört über die Pläne. „Die meisten Menschen, die ich in den vergangenen Tagen gesprochen habe, sind entsetzt von der Ankündigung einer Pflicht zu einer Krankschreibung an Tag eins“, erklärt er. Er wirft der politischen Klasse vor, jeglichen Bezug zur Lebensrealität der Arbeitnehmer verloren zu haben. Die Maßnahme würde vor allem diejenigen treffen, die ohnehin schon unter Druck stünden.

Bäumler betont, dass viele Beschäftigte bei leichteren Erkrankungen wie einer Erkältung oder Migräne zu Hause blieben, ohne sofort einen Arzt aufzusuchen. Eine Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag würde sie zwingen, unnötige Arztbesuche zu absolvieren und Praxen zu belasten. „Das ist ein Eingriff in die Eigenverantwortung der Arbeitnehmer und schafft zusätzliche Bürokratie“, so Bäumler.

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Koalitionspartner uneins über Umsetzung

Der Plan war von Spitzenvertretern von CDU, CSU und SPD ins Spiel gebracht worden, um die hohen Krankenstände in Deutschland zu senken. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums lag der Krankenstand im Jahr 2023 bei durchschnittlich 5,2 Prozent – ein Rekordwert. Die Koalition erhofft sich durch die frühe ärztliche Bescheinigung eine bessere Kontrolle und schnellere Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Doch innerhalb der Koalition regt sich Widerstand. Neben der CDA äußerten auch mehrere SPD-Arbeitnehmerflügel Bedenken. Sie fordern eine genauere Prüfung der Auswirkungen auf die Arbeitnehmer und eine Entlastung der Arztpraxen. Ein Sprecher des SPD-Arbeitnehmerflügels sagte: „Wir müssen vermeiden, dass die Maßnahme zu einer zusätzlichen Belastung für die Beschäftigten wird. Stattdessen sollten wir auf Prävention und betriebliches Gesundheitsmanagement setzen.“

Experten warnen vor negativen Folgen

Arbeitsmarktexperten zeigen sich ebenfalls skeptisch. Professorin Dr. Anke Hassel von der Hertie School in Berlin warnt vor einer „Überbürokratisierung“ des Krankheitsfalls. „Eine Krankschreibung ab Tag eins mag in einigen Branchen sinnvoll sein, aber pauschal für alle Arbeitnehmer würde sie die Eigenverantwortung untergraben und die Arztpraxen überlasten“, erklärt sie. Zudem bestehe die Gefahr, dass Arbeitnehmer aus Angst vor Sanktionen auch bei ernsteren Erkrankungen zu früh wieder arbeiteten, was langfristig zu höheren Ausfallzeiten führen könne.

Die Gewerkschaft Verdi hat bereits Widerstand angekündigt. „Wir werden uns mit aller Kraft gegen diese unsinnige Regelung wehren“, sagte Verdi-Chef Frank Werneke. Die Arbeitnehmer hätten ein Recht darauf, bei Krankheit ohne bürokratische Hürden zu Hause zu bleiben.

Koalition sucht Kompromiss

Angesichts des massiven Widerstands suchen die Koalitionsspitzen nun nach einem Kompromiss. Laut Koalitionskreisen wird erwogen, die Pflicht zur Krankschreibung ab Tag eins nur für bestimmte Branchen oder bei wiederholten Kurzerkrankungen einzuführen. Auch eine Karenzzeit von zwei Tagen ist im Gespräch. Eine endgültige Entscheidung wird für die kommenden Wochen erwartet.

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