Ein Kuss, der als Liebesbeweis gedacht war, bescherte einem Paar in der indonesischen Provinz Aceh eine öffentliche Auspeitschung. Die Frau (25) und der Mann (22) wurden am Donnerstag im Stadtpark von Banda Aceh vor rund 100 Zuschauern mit einem Rohrstock geschlagen. Der Grund: ein TikTok-Livestream vom 27. Februar, in dem sich die beiden in einem Auto küssten. Das Video verbreitete sich schnell im Netz und wurde den Scharia-Behörden gemeldet. Die Polizei nahm das Paar fest, und ein Scharia-Gericht verurteilte beide zu je 25 Stockschlägen. Da sie bereits vier Monate in Untersuchungshaft verbracht hatten, wurde die Strafe auf 21 Hiebe reduziert.
Vermummte Islamisten vollstreckten das Urteil
Die Exekution übernahmen vermummte Islamisten in Kapuzenumhängen. Die Frau schrie vor Schmerzen, als der Strafvollzugsbeamte zuschlug. Auch der Mann musste die Schläge über sich ergehen lassen. Medienberichten zufolge waren die Zuschauer teils schockiert, teils filmten sie die Szene mit ihren Handys. Neben dem Paar wurden vier weitere Personen am selben Tag öffentlich ausgepeitscht – wegen Online-Glücksspiels und Ehebruchs.
Aceh: Einzige Provinz mit Scharia-Recht in Indonesien
Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt (etwa 87 Prozent). Daneben gibt es offiziell anerkannte Minderheiten wie Christen, Hindus, Buddhisten und Konfuzianer. Aceh ist die einzige Provinz, in der eine strenge Auslegung des islamischen Rechts (Scharia) gilt. Das Gesetz sieht bis zu 100 Stockhiebe für Verstöße gegen die Moral vor, darunter Ehebruch, homosexuelle Handlungen, Glücksspiel und Alkoholkonsum. Selbst Frauen in enganliegender Kleidung oder Männer, die das Freitagsgebet versäumen, können bestraft werden.
Abschreckung als Ziel der öffentlichen Bestrafungen
„Die öffentlichen Auspeitschungen sollen dazu dienen, andere von Verstößen gegen die religiösen Vorschriften der Provinz abzuschrecken“, zitierte das Nachrichtenportal Serambinews.com den Leiter der Staatsanwaltschaft, Bobbi Sandri. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Praxis seit Jahren. Die Strafen seien grausam und unmenschlich. Dennoch werden sie in Aceh regelmäßig vollstreckt, oft unter großer öffentlicher Anteilnahme.



