Am zweiten Prozesstag im Fall des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar ist dessen Vater Erdal Calar im Gerichtssaal in Zweibrücken zusammengebrochen. Der Vorfall ereignete sich kurz nach 14 Uhr, während Augenzeugen vor Gericht aussagten und immer wieder Aufnahmen von Überwachungskameras gezeigt wurden. Der Vater des Opfers konnte die Bilder nicht ertragen und musste mehrfach den Saal verlassen. Als er zurückkehrte, meldete sich der Nebenklageanwalt und teilte mit, dass Erdal Calar den Prozess nicht weiterverfolgen könne, da er sich unwohl fühle.
Notarzt versorgt den Vater im Gerichtssaal
Als der Vater aus dem Gerichtssaal gebracht wurde, fasste er sich an die Brust und brach zusammen. Angehörige kümmerten sich sofort um ihn, ein Notarzt wurde gerufen. Mittlerweile wurde Erdal Calar in eine Klinik gebracht. Es ist noch unklar, wie es ihm aktuell geht oder was den Zusammenbruch auslöste. Möglich wäre ein Schwächeanfall, da in Zweibrücken derzeit Temperaturen von 36 Grad herrschen. Dies ist nicht der erste gesundheitliche Vorfall für den Vater: Bereits als er von dem Angriff auf seinen Sohn erfuhr, erlitt er einen leichten Herzinfarkt und musste ins Krankenhaus. Zwei Tage später konnte er die Klinik wieder verlassen.
Hintergrund der Tat: Schaffner nach Fahrkartenkontrolle getötet
Am 2. Februar kontrollierte Zugbegleiter Serkan Çalar im Regionalexpress von Landstuhl (Rheinland-Pfalz) nach Homburg (Saarland) die Tickets. Der Grieche Ioanni V. (26) hatte keinen Fahrschein und weigerte sich, den Zug zu verlassen. Plötzlich stand Ioanni auf, drohte dem Kontrolleur und rief: „I‘m a boxer. I‘m a fighter“ (deutsch: „Ich bin ein Boxer, ich bin ein Kämpfer“). Mit zwölf Schlägen streckte Ioanni Serkan nieder. Der Schaffner starb zwei Tage später im Krankenhaus an einer Hirnblutung. Seit Dienstag steht der Grieche deshalb vor Gericht.
Brüder des Opfers kritisieren Verhalten des Angeklagten
Die Brüder von Serkan äußerten sich gegenüber BILD: „Mein Vater muss jeden Tag ertragen, wie ihm der Mörder seines Sohnes ins Gesicht lacht. Wie er Faxen macht.“ Der Prozess wird fortgesetzt, während die Familie weiterhin um Gerechtigkeit kämpft.



