Tunnelgangster von Zehlendorf: Fast perfekter Bankraub 1995
Tunnelgangster von Zehlendorf: Fast perfekter Coup 1995

Am 27. Juni 1995 überfielen mehrere Täter die Commerzbank-Filiale in der Matterhornstraße Ecke Breisgauer Straße in Berlin-Zehlendorf. Sie nahmen 16 Geiseln, erbeuteten fünfeinhalb Millionen Mark sowie den Inhalt zahlreicher Schließfächer – und verschwanden spurlos durch einen selbstgegrabenen Tunnel. Die Aktion galt zunächst als genialer Coup, entpuppte sich jedoch als dilettantisch getarnt.

Der Überfall und die Verhandlungen

Die Täter stürmten die Filiale am Morgen, fesselten Kunden und Angestellte. Die Polizei umstellte das Gebäude, verhandelte stundenlang. Die Gangster forderten mehr Geld und Zeit, drohten mit Gewalt. Die Verhandlungen zogen sich bis in die Nacht. Die Polizei stellte Fluchtfahrzeuge bereit, doch die Täter schienen nicht an einer raschen Flucht interessiert. „Wir haben uns gewundert, warum die so genügsam sind“, sagte Polizeipräsident Hagen Saberschinsky später. „Warum haben die nicht weiter um freie Fahrt gepokert?“

Die Flucht durch den Tunnel

Um 1 Uhr nachts brach der Kontakt ab. Die Geiseln blieben gefesselt zurück. Gegen 3 Uhr riefen sie um Hilfe, befreiten sich notdürftig und alarmierten die Polizei. Bei der Stürmung um 3:30 Uhr fanden die Beamten ein Loch im Kellerboden – 60 Zentimeter breit, ins Dunkle führend. Niemand traute sich hinein. „Könnte ne Sprengfalle drinne sein“, meinte ein Polizist. Die Täter waren mitsamt der Beute verschwunden. Der Tunnelausgang lag 120 Meter entfernt in einer Garage, frisch zubetoniert.

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Die Ermittlungen und die Täter

Die Polizei identifizierte die Bande schnell: drei Syrer, ein Libanese, ein Italiener und ein Deutscher. Sie mieteten die Garage und eine benachbarte, verwickelten sich in Widersprüche. Telefonabhörung und Hausdurchsuchungen führten zur Festnahme. „Die inhaftierten Männer sprechen mit uns“, freute sich der Chef der Sonderkommission. Die anfängliche Bewunderung wich Ernüchterung: Die Tarnung war dilettantisch. Der Tunnelbau jedoch war aufwendig: Über ein Jahr gruben sie einen 20 Meter langen Tunnel von der Garage zum Regenwasserkanal, dann 100 Meter im Kanal, schließlich 50 Meter bis unter die Bank – insgesamt 170 Meter.

Rückschläge und der entscheidende Fehler

Die Arbeit war gefährlich: Bei Regen lief der Kanal voll, einer der Gangster wäre fast ertrunken. Einmal sackte der Bürgersteig über dem Tunnel ein, ein betrunkener Tiefbauarbeiter füllte die Stelle auf, ohne den Tunnel zu bemerken. „Es war Freitag, und der Mann war offenbar betrunken“, ermittelte die Polizei. Das größte Problem: Einer der Beteiligten hatte während der Vorbereitungen so stark zugenommen, dass er kaum noch durch den 70 mal 70 Zentimeter großen Tunnel passte. Die Gang musste die Flucht beschleunigen – und vernachlässigte die Tarnung. Das wurde ihnen zum Verhängnis.

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