Ein 26-jähriger Patient hat am Sonntagabend in der Psychiatrie des Vivantes Klinikums Neukölln einen 65 Jahre alten Mitpatienten getötet. Der Tatverdächtige befindet sich in vorläufiger psychiatrischer Unterbringung. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin teilte auf dpa-Anfrage mit, es gebe Anhaltspunkte dafür, dass der Mann zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen sei. Die Unterbringung sei vergleichbar mit Untersuchungshaft bei einem schuldfähigen Tatverdächtigen. Der Beschuldigte war nach Angaben des Klinikums mit der Diagnose Psychose eingeliefert worden. Die Mordkommission ermittelt.
Psychotische Störungen: Symptome und Risiken
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) erklärte, psychotische Störungen zählten zu den besonders schweren psychischen Erkrankungen. „Im Rahmen einer Psychose entwickeln Betroffene häufig Wahnvorstellungen, haben Halluzinationen und verlieren den Bezug zur Realität“, sagte Alkomiet Hasan, Koordinator der DGPPN-Behandlungsleitlinie Schizophrenie. Wahnvorstellungen oder Halluzinationen würden als „absolut real wahrgenommen, und die Grenzen zwischen dem Ich und der Umwelt verschwimmen“. Für Betroffene sei das meist mit großer Angst und einem Gefühl der Bedrohung verbunden.
Statistisch erhöhtes Risiko, aber geringe absolute Gefahr
Hasan betonte, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen mit Psychosen niemals gewalttätig gegen andere werde. „Die Erkrankungen sind vielmehr durch eine hohe Suizidrate gekennzeichnet.“ Am häufigsten träten psychotische Zustände bei Schizophrenien und im Rahmen von Intoxikationen auf. Das absolute Risiko schwerer Gewalttaten durch Menschen mit Psychosen sei gering, auch wenn es im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung statistisch erhöht sei.
Der Fall in Berlin wirft erneut Fragen nach dem Umgang mit psychisch kranken Straftätern und der Sicherheit in psychiatrischen Einrichtungen auf. Die Ermittlungen der Mordkommission dauern an.



