Nach dem schrecklichen Blutbad in Stade, bei dem am Montag sechs Menschen erschossen wurden, weitet die Staatsanwaltschaft Stade die Ermittlungen aus. Wie die Behörde auf Anfrage von BILD mitteilte, steht nun auch die 34-jährige Mutter des drei Monate alten Babys sowie dessen 65-jährige Patentante unter dringendem Mordverdacht. Gegen den mutmaßlichen Haupttäter Fatih G. (45) war bereits zuvor Haftbefehl erlassen worden.
Ermittlungen gegen drei Tatverdächtige
„Das Ermittlungsverfahren wird gegen alle drei Tatverdächtigen wegen des Tatvorwurfs des Mordes geführt. Ob und welcher Tatvorwurf angeklagt wird, kann erst nach Abschluss der Ermittlungen entschieden werden. Die Tatbeteiligung der beiden Frauen sowie die konkreten Abläufe und Hintergründe sind unter anderem Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, erklärte die Staatsanwaltschaft Stade gegenüber BILD. Damit erweitert sich der Kreis der Beschuldigten deutlich.
Flucht im Mercedes-AMG
Der mutmaßliche Täter Fatih G. soll aus Wut über einen Sorgerechtsstreit am Montag in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in Stade mehrere Mitarbeiter der Einrichtung und des Jugendamtes erschossen haben. Anschließend flüchtete er in einem Mercedes-AMG. Am Steuer des Fluchtwagens saß nach derzeitigem Ermittlungsstand die 65-jährige Patentante seiner Tochter. Am Donnerstag wurde zudem bekannt, dass diese Frau die Schwiegermutter des SPD-Politikers Deniz Kurku (43) ist, der als Landesbeauftragter für Migration in Niedersachsen fungiert.
20-seitiges Dokument an Medien
Bereits drei Tage vor der Tat hatte die Patentante ein 20-seitiges Dokument an mehrere Medien verschickt. In diesem Schreiben berichtete die 65-Jährige detailliert über den Sorgerechtsstreit, den Fatih G. und seine Lebenspartnerin mit den Behörden in der Region Hannover führten. Gegen den 45-Jährigen laufen zudem Ermittlungen „wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen“, wie der Erste Staatsanwalt Oliver Eisenhauer von der Staatsanwaltschaft Hannover vor einigen Tagen gegenüber BILD bestätigte. Fatih G. war der Polizei bereits bekannt und sitzt in Untersuchungshaft.
Sechsfacher Mord aus Heimtücke
Die Staatsanwaltschaft wertet die Taten als sechsfachen Mord, da Merkmale wie Heimtücke und niedere Beweggründe vorliegen. Die Ermittlungen zu den genauen Hintergründen und der Beteiligung der beiden Frauen dauern an. Die Polizei hat die Spurensicherung vor Ort abgeschlossen und wertet nun Beweismittel aus.



