Im Landgericht Zweibrücken steht das Urteil im Prozess gegen einen 26-jährigen Angeklagten bevor, der beschuldigt wird, im Februar dieses Jahres einen Zugbegleiter durch Schläge getötet zu haben. Die Angehörigen des Opfers, des 44-jährigen Serkan Çalar, zeigten sich während der Verhandlungstage tief getroffen. „Für mich ist er ein Mörder“, sagte ein Bruder des Getöteten vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Totschlag vor.
Hintergründe der Tat
Die Tat ereignete sich am 14. Februar 2026 in einem Regionalzug bei Zweibrücken. Der Zugbegleiter Serkan Çalar hatte den Angeklagten ohne gültigen Fahrschein angetroffen und aufgefordert, den Zug zu verlassen. Daraufhin soll der 26-Jährige mehrfach auf Çalar eingeschlagen haben, sodass dieser stürzte und mit dem Kopf auf dem Bahnsteig aufschlug. Er erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen. Der Angeklagte flüchtete zunächst, stellte sich jedoch wenige Tage später der Polizei.
Stimmen der Angehörigen
Die Familie des Opfers leidet nach eigenen Angaben massiv unter den Folgen. „Die Kinder werden nun ohne einen Vater leben müssen“, sagte ein weiterer Bruder von Serkan Çalar. Der Vater des Getöteten brach während einer Aussage in Tränen aus. Die Angehörigen fordern eine harte Bestrafung des Täters. Der Verteidiger des Angeklagten plädierte auf eine mildere Strafe wegen verminderter Schuldfähigkeit, da sein Mandant unter psychischen Problemen leide. Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem 26-Jährigen eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit attestiert.
Rechtliche Einordnung und Ausblick
Das Urteil wird für den 15. Juli 2026 erwartet. Bei einer Verurteilung wegen Totschlags droht dem Angeklagten eine Freiheitsstrafe von fünf bis fünfzehn Jahren. Sollte das Gericht von verminderter Schuldfähigkeit ausgehen, könnte die Strafe gemildert werden. Die Staatsanwaltschaft hat die Höchststrafe beantragt. Der Fall hat bundesweit für Aufsehen gesorgt und erneut die Debatte um Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr entfacht. Laut einer Statistik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gab es im Jahr 2025 über 1.200 Übergriffe auf Zugpersonal – ein Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.



