Der letzte noch erhaltene Vorkriegsbunker des NS-Regierungsviertels in Berlin soll abgerissen werden. Auf dem Gelände der ehemaligen Neuen Reichskanzlei in Berlin-Mitte sind Wohnungen und Büros geplant. Denkmalschützer und der Verein Berliner Unterwelten laufen Sturm gegen die Pläne.
Protest gegen Abriss des Hitler-Bunkers
„Eine der letzten Spuren der NS-Machtzentrale abzureißen, das ist heutzutage totaler Wahnsinn“, sagt Dietmar Arnold, Vorstandsvorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten. Der Verein setzt sich für den Erhalt des Bunkers ein. Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD) hingegen spricht sich gegen einen Erhalt aus. Der „B.Z.“ sagte er: „Wir stehen dem Neubau von Wohnungen nicht im Wege, um einen Bunker zu erhalten, der dann womöglich noch zum Wallfahrtsort wird.“
Historische Bedeutung des Bunkers
Aus Sicht des Landesdenkmalamtes ist der Bunker von „umfassender historischer und wissenschaftlicher Bedeutung“, erklärt Sebastian Heber, Abteilungsleiter für Bodendenkmalpflege. Der Bunker stelle den letzten bauzeitlichen Rest der Neuen Reichskanzlei dar und sei der letzte noch erhaltene Vorkriegsbunker des Berliner NS-Regierungsviertels. Aufgrund einer Weisung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen wurde der Bunker jedoch nicht als Denkmal ausgewiesen. Der Landesdenkmalrat, ein Expertengremium, sprach sich im März 2025 dafür aus, den Erhaltungszustand und eine Eintragung in die Denkmalliste zu prüfen.
Vorschläge des Vereins Berliner Unterwelten
Laut Arnold sind noch 1.200 Quadratmeter der Bunkeranlage erhalten, die Wände und Decke seien jeweils 1,70 Meter stark. Diese ließen sich sogar überbauen, ohne sie abzureißen. Nun solle etwa der halbe Bunker abgerissen werden, damit Wohnungen und Büros entstehen könnten. „Wenn man den Bunker zur Hälfte wegsägt oder wegbaggert, geht die Stabilität verloren. Dann macht es keinen Sinn, noch etwas zu erhalten“, kritisiert Arnold. Er plädiert dafür, dort eine Ausstellung zum Kriegsende zu errichten und erinnert an das berühmte Kapitulationsfoto von General Helmuth Weidling, als dieser am 2. Mai 1945 den Bunker verließ.
Hintergrund: Die Neue Reichskanzlei
Die Neue Reichskanzlei war laut Deutschem Historischen Museum Berlin ein monumentaler Regierungs- und Repräsentationsbau des NS-Regimes, den Adolf Hitler als architektonisches Symbol seines Herrschaftsanspruchs errichten ließ. Nach Plänen von Albert Speer wurde das Gebäude ab 1934 in der Voßstraße gebaut und in nur rund zwölf Monaten bis Januar 1939 weitgehend fertiggestellt. 1945 wurde die Kanzlei von der Roten Armee eingenommen und ab 1949 abgerissen. Laut dem Bericht der „B.Z.“ soll auf dem Gelände ein siebengeschossiges Gebäude mit 66 Wohnungen sowie ein Bürogebäude mit sechs Geschossen errichtet werden. Aus Sicht von Arnold werden dies aber „keine der bezahlbaren Wohnungen sein, die in Berlin gebraucht werden“.
Unterschied zum Führerbunker
Der Bunker war nur einer von vielen verschiedenen Bunkern im ehemaligen NS-Regierungsviertel rund um die Wilhelmstraße. Arnold betont, dass es sich dabei nicht um den berühmten „Führerbunker“ handelt, in dem Adolf Hitler und Eva Braun Selbstmord begingen. Dieser Bunker wurde im April 1944 fertiggestellt, an seiner Stelle in der Gertrud-Kolmar-Straße in Berlin-Mitte befindet sich heute ein Parkplatz. 2006 stellte der Verein Berliner Unterwelten dort eine Informationstafel zur Geschichte des „Führerbunkers“ auf.



