Telemedizin bei Geburtsnotfällen: Bayern startet einzigartigen Dienst
Telemedizin bei Geburtsnotfällen in Bayern gestartet

Bayern hat einen neuen telemedizinischen Notarztdienst für Neugeborene eingeführt, der speziell bei Geburtsnotfällen in ländlichen Kliniken helfen soll. Der Tele-Neugeborenen-Notarztdienst (TeleNNAD) ist seit Anfang Juni im Einsatz, wie Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) mitteilte. Ziel sei es, schwerwiegende Komplikationen, Todesfälle und bleibende Schäden bei Neugeborenen zu vermeiden.

Rund-um-die-Uhr-Unterstützung für Geburtskliniken

„Jetzt können spezialisierte Intensivmediziner mit ihrem Team Geburtskliniken in kritischen Situationen rund um die Uhr unmittelbar unterstützen“, sagte Gerlach. Das sei „ein echter Fortschritt“. 21 Krankenhäuser sind bereits an dem Netzwerk beteiligt, weitere können bei Interesse eingebunden werden. Der Dienst soll vor allem Notfälle während Geburten in Kliniken auf dem Land abdecken.

Durch den Notdienst können die Ärztinnen und Ärzte vor Ort unverzüglich erfahrene Neonatologinnen und Neonatologen von neun hoch spezialisierten Einrichtungen per Video in den Kreißsaal zuschalten. So sollen schwerwiegende Komplikationen, Todesfälle und bleibende Schäden bei Neugeborenen vermieden werden.

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„Entscheidend sind die ersten zehn Minuten“

„Wenn Kinder während oder nach der Geburt unter Sauerstoffmangel leiden, müssen sie oft lebenslange Folgen tragen“, sagte der ärztliche Direktor der Kinderklinik Dritter Orden in Passau, Matthias Keller, bereits beim Startschuss für das Projekt im Oktober. Das Krankenhaus ist für die Koordination des Notdienstes zuständig. „Diese Kinder sind oftmals von schweren körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen betroffen.“

„Wir alle wissen, entscheidend sind die ersten zehn Minuten nach der Geburt – hier ist die richtige medizinische Versorgung überlebenswichtig“, betonte Keller. „Mit Hilfe moderner Telemedizin schaffen wir die Möglichkeit, die Teams vor Ort in diesen entscheidenden Momenten zu unterstützen – fachlich, technisch und menschlich.“

Einzigartiges Projekt in Deutschland

Das Projekt sei in Deutschland einzigartig, sagte Gerlach. Der Freistaat fördert den Notdienst mit rund 658.000 Euro, fast 480.000 Euro kommen vom Verein „Sternstunden“. Der Verein hilft seit 33 Jahren kranken, behinderten und in Not geratenen Kindern in Bayern, Deutschland sowie weltweit. Durch die enge Verbindung mit dem Bayerischen Rundfunk ist die Benefizaktion im Freistaat weithin bekannt und wird von weiteren Institutionen unterstützt.

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