Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hat sich für massive Steigerungen der Abgaben auf Tabak- und Alkoholprodukte ausgesprochen. Ziel sei es, Jugendliche vom Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum abzuhalten, sagte Gassen der „Bild“-Zeitung.
Jugendliche durch hohe Preise schützen
„Das Rauchen und der Alkoholkonsum beginnen oft schon in der Jugend“, so der Ärztechef. „Da können Ärzte und das Gesundheitssystem nur als Reparaturbetrieb versuchen, die Folgen aufzufangen.“ Die Produkte zu verteuern, würde sie besonders für junge Leute schwerer erschwinglich machen. „Kostet eine Schachtel Zigaretten 20 Euro, werden Jugendliche sich das nicht mehr wie heute leisten können“, sagte Gassen weiter. „Das Schnorren von Zigaretten wird dann auch nicht mehr von Erfolg gekrönt sein.“
Bundesregierung plant moderate Steuererhöhungen
Die Bundesregierung plant eine schrittweise Erhöhung der Tabaksteuer. Allerdings ist der derzeit bis 2030 angestrebte durchschnittliche Packungspreis von 11,40 Euro weit entfernt von den geforderten 20 Euro. Auch die Alkoholsteuer soll steigen. Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Expertenkommission hat für 2027 einen Anstieg um mehr als 40 Prozent vorgeschlagen.
Klingbeil will niedrigere Erhöhung
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will die Alkoholsteuer laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland jedoch nur um 20 Prozent erhöhen. Demnach soll die Alkoholsteuer von 13,03 Euro je Liter Reinalkohol auf 15,64 Euro steigen. Eine 0,7-Liter-Flasche Wodka, Whisky oder Rum würde dadurch inklusive Mehrwertsteuer um 87 Cent teurer.
Gesundheitspolitische Debatte
Die Forderung von Gassen reiht sich ein in eine breitere Diskussion über die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Kosten von Tabak- und Alkoholkonsum. Laut Angaben der KBV entstehen dem Gesundheitssystem jährlich Milliardenausgaben durch behandlungsbedürftige Folgen des Konsums. Die Ärztevertretung sieht in höheren Preisen ein wirksames Mittel, um insbesondere bei Jugendlichen den Einstieg in den Konsum zu verhindern.



