Mareike Schmidt erinnert sich genau an den Moment, in dem ihr Körper die Kontrolle entzog: In der Turnhalle, während einer Drehung am Stufenbarren, schränkte sich ihr Sichtfeld komplett ein. Sekunden später pochte ihr Kopf, ihre Sinne verschwammen. Sie ließ sich auf die Matte fallen – und merkte, dass gar nichts mehr ging. Damals wusste niemand, dass es Migräne war. Dabei hatte sie die Attacken schon lange, aber es dauerte Jahre, bis sie ernst genommen wurde.
Der lange Weg zur Diagnose
Das Wort Migräne fiel erst, als Schmidt etwa 17 oder 18 Jahre alt war. Zuvor hieß es: Hormone, Pubertät – oder noch schlimmer: Dass sie sich die Kopfschmerzen vielleicht einbilde, psychosomatisch. „Ich wurde nicht ernst genommen“, sagt die heute 27-jährige Redakteurin bei myHOMEBOOK. „Es dauerte Jahre, bis ich eine korrekte Diagnose bekam.“
Den Körper neu verstehen lernen
Nach der Diagnose begann die eigentliche Arbeit. Schmidt musste ihren Körper neu verstehen. Jeden Tag dokumentierte sie alles – auch die kleinsten Details. Irgendwann erkannte sie ihre Auslöser: unregelmäßiger Tages- und Schlafrhythmus, keine regelmäßigen Mahlzeiten, Wetterumschwung und Stress. „Ich habe gelernt, dass Migräne unfassbar viel mit Disziplin und Verzicht zu tun hat“, erklärt sie.
Disziplinierter Alltag trotz Unsicherheit
Schmidts Alltag ist heute durchgetaktet, um sich zu schützen. Doch trotz aller Vorsicht bleibt die Unsicherheit. „Ich kann meinen perfekten Tagesplan monatelang durchziehen – und es kann dennoch eine Attacke kommen, die mich komplett aus der Bahn wirft“, sagt sie. In diesen Momenten ist sie auf andere angewiesen. Ihre Mitmenschen wissen inzwischen, was zu tun ist: Sie stützen, aus der Situation herausholen, Kälte an den Kopf, etwas zu trinken und Schmerztabletten reichen.
Akzeptanz und Stärke
Schmidt hat akzeptiert, dass ihr Leben anders ist. „Aber es ist meins. Ich habe mir geschworen, dass ich alles, was in meiner Kraft steht, auch machen möchte“, betont sie. Ihre Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, Migräne ernst zu nehmen und Betroffene zu unterstützen.



