Ab Juli kommen in deutschen Kliniken neue Bluttests zur Alzheimer-Früherkennung zum Einsatz. Diese Tests versprechen eine einfachere Diagnose als aufwendige Hirnscans oder schmerzhafte Nervenwasserpunktionen. Doch Top-Neurologe Prof. Christoph Kleinschnitz warnt: „Diese Tests können die Alzheimer-Diagnostik revolutionieren. Sie dürfen aber nicht in die falschen Hände geraten, sonst richten sie bei vielen Menschen mehr Schaden als Nutzen an.“
Wie die neuen Bluttests funktionieren
Die Bluttests messen spezifische Biomarker im Blut, die auf Alzheimer hinweisen. Dazu gehören etwa die Proteine Beta-Amyloid und Phospho-Tau. Bei Alzheimer lagern sich diese Proteine im Gehirn ab und können im Blut nachgewiesen werden. Bisher war eine sichere Diagnose nur mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder einer Liquorpunktion möglich – beides teure und invasive Verfahren.
Wem die Tests wirklich nutzen
Prof. Kleinschnitz betont, dass die Tests vor allem für Menschen mit ersten Anzeichen einer kognitiven Beeinträchtigung sinnvoll sind. „Bei Patienten mit Gedächtnisproblemen, die bereits in einer Gedächtnissprechstunde vorgestellt werden, können die Tests die Diagnose beschleunigen und präzisieren.“ Allerdings warnt er davor, die Tests bei asymptomatischen Personen einzusetzen: „Bei Menschen ohne Symptome kann ein positiver Test zu unnötiger Angst und Stigmatisierung führen.“
Risiken und Warnungen aus den USA
In den USA sind die Tests bereits weit verbreitet – mit problematischen Folgen. „Dort werden die Tests oft ohne ärztliche Beratung angeboten, was zu Fehldiagnosen und psychischen Belastungen führt“, so der Neurologe. Ein positiver Test bedeutet nicht zwingend, dass die Person an Alzheimer erkrankt; es kann sich um eine Vorphase handeln, die nie ausbricht. Zudem können falsch-positive Ergebnisse auftreten.
Experten fordern klare Leitlinien
Der Experte fordert daher klare Leitlinien für den Einsatz der Tests in Deutschland. „Die Tests müssen in ein Gesamtkonzept eingebettet sein, das auch Beratung und gegebenenfalls weitere Diagnostik umfasst.“ Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie arbeitet bereits an entsprechenden Empfehlungen. Bis dahin rät Prof. Kleinschnitz: „Lassen Sie sich nur von Fachärzten testen und nicht von zweifelhaften Anbietern im Internet.“
Die neuen Bluttests sind ein vielversprechender Fortschritt in der Alzheimer-Diagnostik, doch ohne sorgfältige Anwendung drohen sie mehr zu schaden als zu nutzen. Ab Juli stehen sie in ausgewählten Kliniken zur Verfügung – hoffentlich mit der nötigen ärztlichen Begleitung.



