Zum zweiten Jahrestag seines desaströsen TV-Duells gegen Donald Trump hat der ehemalige US-Präsident Joe Biden bei einem seltenen öffentlichen Auftritt in Hanover, Maryland, eine scharfe Abrechnung mit seinem Amtsnachfolger gehalten. Biden, der sich seit seiner Krebsdiagnose im Mai 2025 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, überraschte mit dem Timing seiner Rede. Ausgerechnet am Jahrestag des Fernsehdebakels, das seine Präsidentschaftskandidatur beendete, attackierte er Trump scharf.
„Was für ein Verlierer“ – Biden greift Trump an
„Es ist wirklich verblüffend. Er hat keinerlei Schamgefühl. Offen gesagt, es ist peinlich für das Land“, sagte der 83-Jährige über Trump. Und weiter: „Was für ein Verlierer.“ Biden warf Trump vor, dem Ansehen der USA in der Welt mehr geschadet zu haben als jeder andere Präsident vor ihm. Die Rede war Teil einer Benefizveranstaltung, die Biden trotz seiner zurückgezogenen Lebensweise wahrnahm.
Korruptionsvorwürfe und Bauprojekte Trumps
Biden ging auch auf Trumps Bauprojekte in Washington ein, darunter einen umstrittenen Ballsaal am Weißen Haus und einen geplanten Triumphbogen. Besonders scharf kritisierte er den algengrünen Reflecting Pool im Herzen der Hauptstadt. „Es steht für etwas Schlimmeres als den Narzissmus und die Inkompetenz dieser Regierung“, sagte Biden. „Es ist die Korruption, die dreiste, unverhohlene Korruption auf einem Niveau, wie es sie in der US-Geschichte noch nie gegeben hat.“ Kritiker werfen Trump vor, die Sanierung des Pools ohne Ausschreibung vergeben zu haben. Die Kosten beliefen sich auf rund 14,2 Millionen US-Dollar (etwa 12,4 Millionen Euro).
Gesundheitszustand und Rückblick auf das TV-Duell
Auf seinen eigenen Gesundheitszustand ging Biden nicht ein, hustete während der Rede jedoch wiederholt. Im Mai 2025 hatte er öffentlich erklärt, an einer aggressiven, aber behandelbaren Form von Prostatakrebs zu leiden, der in die Knochen metastasiert ist. Seine Frau Jill Biden äußerte sich Ende Mai dieses Jahres in einem Interview mit CBS über das TV-Duell von 2024: „Als ich es mir ansah, dachte ich: ‚Oh mein Gott, er hat einen Schlaganfall‘. Und das hat mich zu Tode erschreckt.“ Während des Duells war Biden schwer zu verstehen gewesen, wirkte schläfrig und gab teils zusammenhangslose Antworten. Das Desaster läutete das Ende seiner Kandidatur ein; auf Druck seiner Partei zog er sich einen Monat später zurück. Kamala Harris rückte für die Demokraten nach, doch Trump gewann die Wahl.



