Bertelsmann-Studie: Unternehmen fürchten Schwächung der Demokratie
Unternehmen fürchten Schwächung der Demokratie

Die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und der Vertrauensverlust in demokratische Institutionen bereiten deutschen Unternehmen große Sorgen. Einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge befürchtet eine deutliche Mehrheit der Betriebe eine Schwächung der Demokratie. Die am Montag veröffentlichte Untersuchung, an der auch das Institut der deutschen Wirtschaft und die Universität St. Gallen beteiligt waren, zeigt, dass Unternehmen die Demokratie als zentrale Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg betrachten.

Vertrauensverlust und Spaltung als Hauptgefahren

Laut der Studie sehen viele Unternehmen den Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und die gesellschaftliche Spaltung als ernste Risiken. Auch wirtschaftliche Schwäche wird als Gefahr für die Demokratie wahrgenommen. Die Bertelsmann Stiftung betont: „Die große Mehrheit der Unternehmen betrachtet Demokratie als zentrale Grundlage erfolgreichen Wirtschaftens.“ Zu den klaren Standortvorteilen in Deutschland zählen demnach Rechtsstaatlichkeit, Planungssicherheit, unternehmerische Freiheit, Schutz vor Willkür und offene Diskurse.

Polarisierung belastet das Betriebsklima

Die gesellschaftlichen Risse machen sich zunehmend auch in den Betrieben bemerkbar. Rund 30 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass die gesellschaftliche Polarisierung das Betriebsklima belastet. Zudem reflektierten Unternehmen verstärkt, „ob politisches Engagement unter veränderten geopolitischen oder innenpolitischen Bedingungen riskanter wird“. Dies deutet auf eine wachsende Verunsicherung in der Unternehmenslandschaft hin.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Verantwortungsgefühl und internes Engagement

Etwa 60 Prozent der Unternehmen sehen sich selbst in der Verantwortung, für die Demokratie einzustehen. Allerdings bleibt das konkrete Engagement meist nach innen gerichtet: „Besonders häufig sind demokratische Werte im Leitbild, Engagement über Verbände oder interne Kommunikation“, erklärte die Bertelsmann Stiftung. Öffentliche Positionierungen sind deutlich seltener und vor allem bei kleineren Unternehmen umstritten. Dies zeigt eine Diskrepanz zwischen dem Bekenntnis zur Demokratie und der tatsächlichen Umsetzung.

Studiendesign und Kontext

Die Studienautoren befragten von Februar bis April Vertreter von 903 Unternehmen. Zusätzlich wurden 25 Interviews mit Geschäftsleitern und -leiterinnen aus verschiedenen Branchen geführt. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund eines Treffens von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Unternehmensvertretern zum Thema Engagement für Demokratie in Berlin am Montag präsentiert. Die Studie unterstreicht die wachsende Besorgnis in der Wirtschaft über den Zustand der Demokratie in Deutschland.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration