Dr. Nasser Mohamed (38) steht vor dem Chase Center in San Francisco, wo sonst die Golden State Warriors spielen. Mehrere Hundert Fußball-Fans versammeln sich um ihn. Hinter ihm auf der Großleinwand läuft das WM-Spiel zwischen England und Kroatien. Für ihn ist dieser Moment mehr als nur ein Fußballfest: Er will ein Zeichen setzen bei der Weltmeisterschaft.
Traditionelle Robe mit Regenbogen-Botschaft
Mohamed trägt einen traditionellen katarischen Bisht – an den Ärmeln seiner gold-schwarzen Robe leuchten Regenbogenverzierungen. Außerdem stehen dort die arabischen Wörter für „Liebe“ und „Freiheit“. Er sagt der Nachrichtenagentur AP: „Deshalb ist die Weltmeisterschaft so kraftvoll: Die Menschen müssen nicht erfahren, wer ich bin – ich kann einfach gehen, gesehen werden, und das war’s.“
Coming-out in San Francisco
Vor vier Jahren fand die Weltmeisterschaft in seiner Heimat Katar statt. Damals lebte Mohamed bereits in San Francisco, wo er sein Coming-out hatte und zu einem seltenen offen schwulen Mann aus Katar wurde. In Katar ist gleichgeschlechtlicher Sex verboten, und er darf sich dort nicht so kleiden, wie er möchte. Deshalb setzt er sich für Menschen ein, die nach seiner Ansicht keine Stimme haben. In San Francisco fühle er sich sicher genug, selbstbewusst und ohne Angst vor Übergriffen durch die Straßen zu gehen – in Stiefeln mit klobigen Absätzen, mit Mascara und großen Ohrringen.
Symbolik des Bisht
„Ich habe das hier seit meiner Kindheit in Katar nicht mehr getragen, und San Francisco hat es mir wieder über die Schultern gelegt – zusammen mit Regenbögen“, sagt Mohamed. Den Bisht bewusst in der Öffentlichkeit zu tragen, ist für ihn ein wichtiges Symbol. „Der Emir von Katar hat es Messi bei der letzten Weltmeisterschaft übergestreift, um Messi zu feiern. Auch wir sollten gefeiert werden.“
Kampagne „Love is the Goal“
Nasser Mohamed ist LGBTQ+-Aktivist und Hausarzt, der HIV-Patienten behandelt. „Dr. Nas“ startete im Vorfeld der Weltmeisterschaft und des Pride-Monats seine Kampagne „Love is the Goal“. Sie soll dazu beitragen, alle teilnehmenden Menschen in ihrem Menschsein zu würdigen. In einem Video verbindet Mohamed Fußballsprache mit Botschaften über die Liebe: „Liebe ist der Anpfiff, der allererste Ballkontakt“, während jemand anderes ergänzt: „Liebe ist die Vorlage, dich genau dort zu finden, wo du bist.“



