In Kyiv, im fünften Jahr des russischen Angriffskriegs, versorgen zwei ehemalige NRZ-Journalisten Mütter und ihre Kinder mit dringend benötigten Hilfsgütern. Bei einer Verteilaktion im Stadtteil Troyeshchyna zeigte sich eine hochschwangere Frau überwältigt von Dankbarkeit und sang ein Lied für die Helfer. Der FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen begleitet die Aktion und spricht mit Betroffenen für den Podcast „Im Krisenmodus“.
Ein Sonntag in Troyeshchyna: 150 Mütter und Kinder suchen Hilfe
An einem Sonntagmorgen versammeln sich rund 150 Frauen mit ihren Kindern in einem Verteilzentrum im Kyiver Bezirk Troyeshchyna. Sie erhalten Windeln, Babynahrung, Kleidung und Spielzeug – Dinge, die für viele Familien im Kriegsalltag nicht mehr selbstverständlich sind. Die Hilfsgüter stammen aus Deutschland, organisiert von den ehemaligen NRZ-Reportern Matthias Maruhn und Wolfgang Kintscher, die seit drei Jahren regelmäßig Konvois in die Ukraine fahren. Doch die Spendenbereitschaft in Deutschland lässt nach, wie Maruhn im Podcast berichtet.
Katiya: Leben mit drei Kindern und einem Ehemann an der Front
Die 25-jährige Katiya aus Kyiv schildert ihren Alltag: Drei Kinder, ständige Luftalarme und ein Ehemann, der an der Front kämpft. „Die Nächte sind kurz, die Sirenen rauben den Schlaf“, erzählt sie. Ihre Kinder hätten gelernt, beim Signal sofort in den Keller zu laufen. Trotz der Angst versuche sie, den Kleinen ein normales Leben zu ermöglichen.
Natalia und Kristina: Zwei Mütter, zwei Schicksale
Natalia (26) stammt aus der Region Sumy und ist Binnenvertriebene. Ihr Heimatdorf existiert nicht mehr – es wurde durch Bomben zerstört. Sie berichtet von zwei Schwangerschaften unter Beschuss: „Während der Wehen suchte ich Schutz in einer Tiefgarage, während die Bomben fielen.“ Kristina (39) aus Kyiv hat eine autistische Tochter namens Milana. Jeder Luftalarm versetzt Milana in Panik. Ihr Sohn kam 2023 zur Welt und musste am Herzen operiert werden – während Kyiv bombardiert wurde.
Warum Hilfe weiterhin essenziell ist
Maria Makymkowa, Direktorin der ukrainischen Partnerorganisation „Serze Mariji“ (Herz Mariens), betont: „Die Not ist riesig. Viele Familien haben kein Einkommen mehr, die Männer sind im Krieg. Wir versorgen Mütter mit Kindern bis zu drei Jahren und solche in finanziellen Notlagen.“ Matthias Maruhn ergänzt: „Die Spendenbereitschaft in Deutschland sinkt, aber der Bedarf wächst. Jeder Konvoi ist ein Kampf gegen die Gleichgültigkeit.“
Das Lied der hochschwangeren Frau
Am Ende der Verteilaktion in Troyeshchyna geschah etwas Unerwartetes: Eine hochschwangere Frau trat vor Matthias Maruhn und begann zu singen – ein ukrainisches Volkslied über Dankbarkeit und Hoffnung. „Das war der bewegendste Moment meiner gesamten Hilfsarbeit“, sagt Maruhn. „Dieses Lied ist für mich zum Symbol geworden – dafür, warum wir weitermachen, trotz aller Hindernisse.“ Der Podcast „Im Krisenmodus“ dokumentiert diese Geschichten und fragt, was Hilfe nach über vier Jahren Krieg noch bewirken kann. Weitere Informationen zu Spendenmöglichkeiten finden sich auf den Webseiten der Partnerorganisationen.



