FU Berlin erinnert an feministische Sommeruni der 1970er Jahre
FU Berlin erinnert an feministische Sommeruni der 1970er

Aus Frust über Benachteiligung und sexistische Strukturen an Hochschulen organisierte eine Gruppe von Dozentinnen der Freien Universität Berlin (FU) zwischen 1976 und 1983 eine Sommeruniversität nur für Frauen. Zum 50. Jubiläum der Veranstaltungsreihe erinnert die FU am Dienstag, dem 7. Juli, in einer öffentlichen Diskussionsrunde an das Projekt. Die Runde trägt den Titel „50 Jahre feministische Sommeruniversität – Rückblick und Perspektiven“.

Hintergrund der Sommeruniversität

In den 1970er Jahren waren Dozentinnen unterrepräsentiert, Professuren nur sehr selten von einer Frau besetzt und sexualisierte Gewalt normalisiert, erklärt die Geschlechterforscherin Friederike Beier, die den FU-Master Gender, Intersektionalität und Politik koordiniert. „Die meisten Räume an den Unis waren Männerräume.“ Die männlichen Mitstreiter aus der 68er-Bewegung hätten zwar über Hierarchiefreiheit, aber nicht über Geschlechterverhältnisse gesprochen. „Das wollten Studierende und Dozentinnen nicht mehr hinnehmen.“

Die Sommeruniversität richtete sich explizit auch an Nicht-Akademikerinnen. Zur ersten Ausgabe kamen 3.000 Frauen aus ganz Deutschland, später zwischen 7.000 und 8.000 Frauen. Auch Alice Schwarzer war damals dabei. Insgesamt gab es sieben Sommeruniversitäten.

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Kontroverse um die letzte Ausgabe

Die Sommeruniversität war laut Beier als Bildungsurlaub anerkannt – bis auf die siebte und letzte Ausgabe im Jahr 1982. Die Berliner Bildungsverwaltung bemängelte ernsthaft, dass eine „latente Gefahr für die Sittlichkeit“ nicht ausgeschlossen werden könne, da verstärkt lesbische Frauen teilnähmen und auch die Themen zum Teil um lesbische Frauen kreisten. Themen wie „vaginale Selbstuntersuchung“ oder „bisexuelles Bewusstsein“ hielt die Verwaltung nicht für Jugendliche geeignet.

Aktuelle Lage und Diskussion

Studierende des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft und ihre Dozentin Friederike Beier diskutieren mit Zeitzeuginnen und Vertreterinnen aus Zivilgesellschaft und Popkultur über die Anfänge der Sommeruniversität sowie aktuelle Herausforderungen und Perspektiven feministischer Politik und Wissenschaft. Anders als damals seien auch Männer herzlich eingeladen, sagt Beier. Wie sieht sie heute die Position von Frauen an Universitäten? Es gebe viele Rückschläge, Antifeminismus und Misogynie nähmen zu, Geschlechterforscherinnen würden angegriffen. Es gebe aber auch Verbesserungen, zum Beispiel die Einrichtung von Ansprechpersonen für sexualisierte Gewalt. Professuren seien zuletzt immerhin zu 30 Prozent von Frauen besetzt gewesen. „Das ist ein riesen Fortschritt, aber immer noch zu wenig.“

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