In Sangerhausen in Sachsen-Anhalt haben am Samstag rund 100 Menschen den ersten Christopher Street Day (CSD) der Stadt gefeiert. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Gemeinsam für Vielfalt und Toleranz“ und wurde von einer Handvoll queerer Aktiver organisiert. Schon im Vorfeld hatte es massive Proteste von rechtsextremen Gruppen gegeben, die mit einer Gegendemonstration aufwarteten. Am Tag vor dem CSD entdeckten die Organisatoren zudem eine homophobe Schmiererei an einer Hauswand in der Innenstadt: „CSD? Nein danke!“ war dort in schwarzer Farbe zu lesen.
Angst vor Gewalt und Einschüchterung
„Wir sind froh, wenn heute niemand verprügelt wird“, sagte Mitorganisator Lukas Meier (Name geändert) dem SPIEGEL. Die Stimmung sei angespannt gewesen, viele Teilnehmer hätten Angst gehabt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, um die beiden Lager zu trennen. Laut Polizeiangaben verlief die Veranstaltung jedoch weitgehend friedlich. Es gab keine Festnahmen oder Zwischenfälle.
Ein Zeichen gegen Rechts
Der CSD in Sangerhausen ist ein wichtiges Signal in einer Region, in der queere Menschen oft Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt sind. „Wir wollen zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen“, betonte Meier. Die Gegendemonstration der Rechtsextremen war mit etwa 50 Teilnehmern deutlich kleiner als erwartet. Dennoch sei die Bedrohung real: „Wir bekommen immer wieder Hassmails und Drohungen“, so Meier.
Unterstützung aus der Bevölkerung
Trotz der Anfeindungen gab es auch viel Solidarität. Zahlreiche Anwohner hingen Regenbogenflaggen aus den Fenstern, und lokale Geschäfte unterstützten die Aktion mit Spenden. „Das hat uns sehr gefreut und Mut gemacht“, sagte eine weitere Organisatorin, die anonym bleiben möchte. Der CSD endete mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz, bei der Redner für mehr Toleranz und Akzeptanz warben.
Blick in die Zukunft
Die Organisatoren planen bereits den CSD im nächsten Jahr. „Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, auch in einer Kleinstadt wie Sangerhausen einen CSD zu veranstalten“, so Meier. Die Hoffnung ist, dass die Veranstaltung wächst und noch mehr Menschen erreicht. „Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der alle Menschen so leben können, wie sie sind.“



