Axel Spilcker kämpft bis heute mit der Nazi-Vergangenheit seines Großvaters
Axel Spilcker ringt mit Nazi-Erbe seines Großvaters

Die schwere Bürde der Familiengeschichte

Der Journalist Axel Spilcker trägt eine schwere Last: Sein Großvater war ein hoher Nazi-Funktionär, ein „Ober-Nazi“, wie Spilcker selbst sagt. Bis heute ringt der 57-Jährige mit dieser Vergangenheit, die er nie ganz abschütteln kann. In einem Interview gewährt er Einblicke in seine Auseinandersetzung mit dem Erbe seines Großvaters.

Wer war der Großvater?

Spilckers Großvater, dessen Name nicht genannt wird, war in der NS-Zeit als Kreisleiter tätig – eine Position, die ihn direkt in das nationalsozialistische Machtgefüge einband. Für den Enkel war dies lange Zeit ein Tabu-Thema. „Ich habe mich erst spät getraut, mich damit auseinanderzusetzen“, gesteht Spilcker. Die Familie habe die Vergangenheit lange verschwiegen, was die Aufarbeitung zusätzlich erschwerte.

Der lange Weg zur Aufarbeitung

Erst mit Mitte 40 begann Spilcker, die Geschichte seines Großvaters systematisch zu erforschen. Er stieß auf Dokumente, die das Ausmaß der Verstrickung offenlegten. „Es war ein Schock, zu sehen, wie tief mein Großvater im NS-System verwurzelt war“, sagt er. Die Erkenntnisse führten zu einer persönlichen Krise, aber auch zu einem neuen Verständnis für die Mechanismen von Schuld und Verantwortung.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die emotionale Belastung

Die Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit sei eine „emotionale Zerreißprobe“ gewesen, so Spilcker. Er habe gelernt, dass man die Taten der Vorfahren nicht ungeschehen machen könne, aber man müsse sich ihnen stellen. „Es geht nicht um Schuld, sondern um Verantwortung – die Verantwortung, nicht zu vergessen und die Geschichte wachzuhalten“, betont er. Diese Haltung prägt heute auch seine Arbeit als Journalist.

Ein Appell zur Erinnerungskultur

Spilcker sieht seine Geschichte als Beispiel dafür, wie wichtig eine offene Erinnerungskultur ist. „Wir müssen reden, auch wenn es wehtut. Nur so können wir aus der Geschichte lernen“, appelliert er. Seine persönliche Aufarbeitung sei ein kleiner Beitrag dazu, dass die Gräuel der NS-Zeit nie in Vergessenheit geraten. Er hoffe, dass andere Familien sich ebenfalls trauen, ihre Vergangenheit zu beleuchten.

Die gesellschaftliche Dimension

Der Fall Spilcker zeigt, dass die NS-Vergangenheit auch in der dritten Generation noch nachwirkt. Laut Historikern haben etwa 20 Prozent der Deutschen noch direkte familiäre Verbindungen zur NS-Zeit, sei es als Täter, Mitläufer oder Opfer. Spilckers Offenheit könnte daher viele Menschen ermutigen, sich ihrer eigenen Familiengeschichte zu stellen. „Es ist nie zu spät, die Wahrheit zu suchen“, sagt er abschließend.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration