Die Pläne der Bundesregierung, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag einzuführen, stoßen auf heftigen Widerstand der Ärzteschaft. Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), schlägt Alarm: Die Praxen drohten von einer Flut zusätzlicher Patienten überschwemmt zu werden. Nach einer Schätzung der KBV, die der Bild-Zeitung vorliegt, kämen auf die Arztpraxen in Deutschland jährlich mindestens 30 Millionen zusätzliche Besuche zu. Das entspreche 115.000 Patienten pro Arbeitstag.
Massive Mehrbelastung für Praxen erwartet
Gassen betonte in einem Interview mit BILD: „Die Regierungspläne bedeuten eine massive Mehrbelastung für die Ärzte. Sie müssen sich künftig mit Fällen rumschlagen, die eigentlich nicht in die Praxis müssten. Als Folge fehlen Termine für Patienten, die wirklich zum Arzt müssen.“ Die KBV hat die zusätzliche Arbeitsbelastung detailliert kalkuliert: Bei einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von zehn Minuten pro Patient würden insgesamt 208.000 komplette Arbeitstage zusätzlich in den Praxen anfallen. Dies führe unweigerlich zu längeren Wartezeiten für alle Patienten, insbesondere für jene mit ernsteren Erkrankungen.
Kritik an Facharztgarantie
Neben der Attestpflicht kritisiert Gassen auch die gleichzeitig geplante Garantie für Facharzttermine scharf. „Über diese Pläne kann man nur den Kopf schütteln. Wer diese Gesetze macht, versteht sie entweder nicht oder interessiert sich nicht für die Folgen für die ärztliche Versorgung“, so der Kassenärzte-Chef. Die Bundesregierung verfolgt mit den Verschärfungen das Ziel, die Krankheitstage in Deutschland zu reduzieren und dadurch die Wirtschaft zu stärken. Die KBV bezweifelt jedoch, dass dieser Ansatz die gewünschte Wirkung erzielt, und warnt vor einer Überlastung des Gesundheitssystems.
Proteste der Ärzteschaft
Die Ankündigung der Regierung hat bereits zu Protesten unter Medizinern geführt. Viele Hausärzte befürchten, dass sie künftig noch mehr Zeit mit administrativen Aufgaben verbringen müssen, anstatt sich um die medizinische Versorgung zu kümmern. Die KBV fordert daher eine Überarbeitung der Pläne und schlägt vor, die telefonische Krankschreibung zumindest für bestimmte Krankheitsbilder beizubehalten. Andernfalls drohe eine Verschlechterung der Versorgungsqualität, die letztlich allen Patienten schade.



