Berliner Senat präsentiert Pläne für Molkenmarktviertel
Vergangene Woche stellte der Berliner Senat seine Pläne für die Häuser im künftigen Molkenmarktviertel vor. Die Entwürfe, die an die Handbücher kulturpessimistischer Architekturreformer um 1910 erinnern, stoßen auf Kritik. Besonders umstritten ist die Behauptung von Senat und Architekten, die vorgestellten Projekte würden lokale Traditionen fortführen.
Arkadengänge und Naturstein als angebliche Tradition
Die künftigen Häuser sollen aus Tradition Arkadengänge und Naturstein erhalten. Dahinter verberge sich jedoch Geschichtsklitterung, kommentiert Nikolaus Bernau. Er argumentiert, dass typisch Berliner Architektur vielmehr durch Putzfassaden geprägt sei, nicht durch teuren Naturstein.
„Typisch Berlin ist Putz, aber nicht Naturstein“, stellt Bernau klar. Die geplanten Arkadengänge seien ebenfalls keine authentische Berliner Tradition, sondern ein Import aus anderen Städten. Der Senat versuche, eine vermeintlich historische Kontinuität zu konstruieren, die es so nie gegeben habe.
Kritik an Geschichtsklitterung
Bernau wirft den Planern vor, mit dem Verweis auf Tradition eine konservative Ästhetik durchzusetzen, die weder der Geschichte noch der Gegenwart Berlins gerecht werde. „Die Stadt hat sich immer durch Vielfalt und Wandel ausgezeichnet“, schreibt er. „Die Fixierung auf Naturstein und Arkaden ist ein Rückschritt.“
Die Debatte um den Molkenmarkt zeigt, wie stark architektonische Entscheidungen von ideologischen Vorstellungen geprägt sind. Während der Senat auf historisierende Gestaltung setzt, fordern Kritiker mehr Mut zu zeitgenössischer Architektur.



