Berlin war in den nationalen Bildungsrankings lange das Schlusslicht. Doch nun zeichnet sich ein Aufwärtstrend ab. Der renommierte Bildungsforscher Olaf Köller, Direktor der Abteilung für Bildungsqualität und Evaluation am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel, erläutert im Gespräch mit Nicole Dolif von der Lokalredaktion, was sich in der Hauptstadt verändert hat und was eine gute Schule ausmacht.
Berlins Aufholjagd: „In Berlin bewegt sich etwas“
Köller betont, dass sich in den letzten Jahren strukturell einiges getan habe. „In Berlin bewegt sich etwas“, sagt der Experte. Besonders die Einführung von verbindlichen Vorgaben für die Unterrichtsqualität und die verstärkte Fokussierung auf Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zeigten Wirkung. Auch die Investitionen in die Schulsozialarbeit und die Ganztagsbetreuung seien wichtige Schritte. „Die Stadt hat erkannt, dass Bildung der Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe ist“, so Köller.
Was macht eine gute Schule aus?
Für Köller steht fest: Eine gute Schule zeichnet sich nicht allein durch gute Noten aus. „Eine gute Schule ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche nicht nur fachlich, sondern auch sozial und emotional gefördert werden“, erklärt er. Dazu gehörten ein respektvolles Miteinander, klare Regeln und eine Atmosphäre, die zum Lernen einlade. Entscheidend sei zudem die Qualität des Unterrichts: „Lehrkräfte müssen diagnostizieren können, wo ein Schüler steht, und ihn dann individuell fördern.“
Herausforderungen bleiben trotz Fortschritten
Trotz der positiven Entwicklung sieht Köller weiterhin Baustellen. Die Lehrkräfteversorgung sei nach wie vor angespannt, und die soziale Ungleichheit spiegele sich in den Bildungschancen wider. „Die Schere zwischen Kindern aus bildungsnahen und bildungsfernen Familien ist in Berlin besonders groß“, so der Forscher. Er fordert daher eine noch stärkere Fokussierung auf die frühkindliche Bildung und eine bessere Vernetzung von Schulen mit Jugendhilfe und anderen Unterstützungssystemen. „Nur so können wir allen Kindern die gleichen Startchancen bieten.“
Bildungsrankings: Nicht alles ist messbar
Auch wenn Berlin in Rankings wie dem IQB-Bildungstrend zuletzt aufgeholt habe, warnt Köller davor, diese Zahlen überzubewerten. „Rankings sind eine Momentaufnahme und bilden nicht die ganze Realität ab“, sagt er. Wichtig sei vielmehr, dass die Stadt kontinuierlich an der Qualität der Schulen arbeite. „Der Trend ist ermutigend, aber es bleibt noch viel zu tun.“
Eltern sollten sich einbringen
Abschließend appelliert Köller an die Eltern, sich aktiv am Schulleben zu beteiligen. „Eltern sind die wichtigsten Partner der Schule. Wenn sie sich engagieren, profitieren alle – vor allem die Kinder.“ Er rät, das Gespräch mit Lehrkräften zu suchen, bei Elternabenden dabei zu sein und die Schule bei Projekten zu unterstützen. „Eine gute Schulgemeinschaft trägt maßgeblich zum Lernerfolg bei.“



