350 Volt aus der Steckdose: Bernburger Ehepaar kämpft seit 18 Monaten um Schadensersatz
350 Volt aus der Steckdose: Bernburger kämpfen um Schadensersatz

350 Volt aus der Steckdose: Bernburger Ehepaar kämpft seit 18 Monaten um Schadensersatz

Ein ganzes Aktenordner-Archiv hat sich inzwischen angesammelt im Haus von Ursel-Lore und Wolfgang Ernst aus Roschwitz bei Bernburg. Seit anderthalb Jahren führen die Rentner einen zähen Schriftwechsel mit dem Kommunalen Schadensausgleich (KSA), dem Versicherer der Stadtwerke Bernburg. Der Grund: Eine massive Stromüberspannung mit 350 Volt zerstörte in ihrer Doppelhaushälfte zahlreiche Elektrogeräte, doch die Versicherung weigert sich beharrlich, für den entstandenen Schaden aufzukommen.

Zerstörte Haushaltsgeräte und ein zermürbender Kampf

Der Vorfall liegt mittlerweile 18 Monate zurück, doch die Folgen sind im Alltag des Ehepaars Ernst noch immer spürbar. Kühlschrank, Fernseher, Waschmaschine und weitere elektrische Geräte fielen der Überspannung zum Opfer, die durch einen Netzfehler verursacht wurde. "Wir fühlen uns im Stich gelassen", erklärt Wolfgang Ernst, der gemeinsam mit seiner Frau und dem unterstützenden Nachbarn Bernd Gierth die Schäden dokumentierte und beseitigte.

Die Stadtwerke Bernburg als Netzbetreiber sind über ihren Versicherer KSA in der Pflicht, doch dieser blockt jede Forderung ab. Ein dicker Ordner voller Korrespondenz zeugt von dem frustrierenden Prozess, bei dem selbst klare Beweise für die Ursache nicht ausreichen, um eine Entschädigung zu erreichen.

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Bundesgerichtshof-Urteil als große Hoffnung

Doch das Ehepaar Ernst gibt nicht auf. Ihre größte Hoffnung basiert auf einem eindeutigen Urteil des Bundesgerichtshofs aus einem vergleichbaren Fall. Das höchste deutsche Zivilgericht entschied, dass Netzbetreiber bei nachgewiesenen Überspannungsschäden haftbar sind und für entstandene Verluste aufkommen müssen.

"Dieses Urteil gibt uns Recht", betont Ursel-Lore Ernst. Die juristische Grundlage ist klar, doch die praktische Umsetzung gestaltet sich äußerst schwierig. Die Versicherung der Stadtwerke Bernburg beruft sich auf verschiedene Formalien und verzögert den Prozess, was für die Betroffenen eine enorme psychische und finanzielle Belastung darstellt.

Kommunaler Schadensausgleich in der Kritik

Der Kommunale Schadensausgleich (KSA) als Versicherer öffentlicher Unternehmen steht durch diesen Fall in der Kritik. Experten weisen darauf hin, dass solche Verzögerungstaktiken bei klar belegten Schadensfällen nicht nur unfair gegenüber den Geschädigten sind, sondern auch das Vertrauen in kommunale Dienstleister untergraben.

Die Stadtwerke Bernburg selbst haben sich bisher nicht öffentlich zu dem konkreten Fall geäußert, verweisen aber auf ihre Versicherung. Für das Ehepaar Ernst und ihren Nachbarn Bernd Gierth bleibt nur die Hoffnung, dass der Druck durch die Medienberichterstattung und die rechtliche Lage endlich zu einer Lösung führt. Ein Ende des 18-monatigen Wartens ist dringend notwendig, um die finanziellen Einbußen auszugleichen und Gerechtigkeit herzustellen.

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