Seit dem 1. Juli ist der Tankrabatt Geschichte. Die befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, die seit dem 1. Mai galt, ist ausgelaufen. Verbraucher hatten dadurch eine Entlastung von knapp 17 Cent pro Liter erhalten. Grund für die Einführung waren die rasant gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Kriegs und der damit verbundenen Blockade der Straße von Hormus. Bereits am Dienstag bildeten sich vor vielen Tankstellen lange Schlangen, da Autofahrer den letzten Tag nutzen wollten, um ihre Tanks und Kanister zu füllen. Das sogenannte „Österreich-Modell“, das Mineralölunternehmen verpflichtet, Preiserhöhungen nur einmal täglich um 12 Uhr vorzunehmen, soll jedoch weiterhin gelten.
Preise steigen schon vor dem offiziellen Ende
Bereits am Dienstagmittag zeigten viele Tankstellen deutlich höhere Preise als zuletzt üblich. Auf den Portalen von ADAC und Tankerkönig war zu sehen, dass die Preise vielerorts wieder stark angezogen haben. Vereinzelt gab es jedoch noch günstige Angebote. Am Mittwochmorgen lagen die Preise für Super E10 und Diesel in großen Städten wie Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt oder Stuttgart meist über 1,90 Euro pro Liter, teilweise sogar über 2 Euro. Allerdings fanden sich auch noch Angebote unter 1,90 Euro, vor allem bei Diesel teils unter 1,80 Euro. Der ADAC-Experte Christian Laberer hält einen Preisanstieg auf über 2 Euro pro Liter für nicht gerechtfertigt: „Wenn die Entspannung bei den Ölpreisen anhält, müssten die Spritpreise fairerweise auch ohne Tankrabatt unter 2 Euro bleiben“, sagte Laberer der „Frankfurter Rundschau“. Der Rohölpreis war zuletzt weiter gesunken und lag am 30. Juni bei 73,37 Dollar pro Barrel – Mitte Mai waren noch Werte bis zu 111 Dollar erreicht worden.
ADAC rät zu E10 und Tank-App
Laberer kann Autofahrern nur wenig Hoffnung machen. Die Erfahrung mit dem ersten Tankrabatt von 2022 zeige, dass die Mineralölkonzerne Preissteigerungen nicht über mehrere Tage, sondern zügig umsetzen würden. Viele Tankstellenpächter erwarteten daher schon ab den Mittagsstunden des 1. Juli deutlich steigende Spritpreise. Der ADAC rät Verbrauchern, genau zu prüfen, wo sie tanken, und nicht die erstbeste Tankstelle anzusteuern. Die Preise könnten stark variieren, weshalb die Nutzung einer Tank-App sinnvoll sei. Zudem sollten Autofahrer auf das besonders teure E5 möglichst verzichten. In der Regel vertrügen alle Benziner seit dem Produktionsdatum 2010 E10, womit sich fünf bis sechs Cent pro Liter einsparen ließen.
Der Tankrabatt hat den Bund dieses Jahr 1,6 Milliarden Euro gekostet. Die geringere Steuer sollte direkt an die Verbraucher weitergegeben werden. Laut Berechnungen des ifo-Instituts sei dies bei Diesel jedoch nur zu 73 Prozent der Fall gewesen, bei Super sei der Rabatt „quasi vollständig“ weitergegeben worden.



