Kolostrum: Was ist das „flüssige Gold“ wirklich?
Kolostrum, die sogenannte Vormilch, wird in den ersten 72 Stunden nach der Geburt von Säugetieren produziert. Als Pulver, Kapsel oder Gummibärchen wird es als Superfood beworben, das straffe Haut, weniger Allergien und mehr Leistung verspricht. Dr. Simone Koch, Ärztin für funktionelle Medizin und Präzisionsmedizin sowie ehemalige Gynäkologin und Geburtshelferin, zerpflückt die Studienlage.
Behauptete Wirkungen: Was ist belegt?
Kolostrum werden diverse positive Wirkungen zugeschrieben – von Anti-Aging bis zur Stärkung des Immunsystems. Laut Dr. Koch sind viele dieser Behauptungen jedoch nicht ausreichend durch wissenschaftliche Studien gestützt. „Die meisten Studien sind klein, haben methodische Schwächen oder wurden von Herstellern finanziert“, erklärt sie. „Es gibt Hinweise auf eine immunmodulierende Wirkung, aber die Evidenz ist nicht ausreichend für allgemeine Gesundheitsempfehlungen.“
Wem kann Kolostrum helfen?
Dr. Koch betont, dass Kolostrum nicht für jeden geeignet ist. „Bei bestimmten Personengruppen, wie Frühgeborenen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem, kann es unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll sein“, so die Ärztin. Für gesunde Erwachsene sei der Nutzen hingegen fraglich. Sie rät, vor der Einnahme einen Arzt zu konsultieren, insbesondere bei Allergien gegen Milchproteine.
Worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten
Die Ärztin gibt konkrete Tipps: „Achten Sie auf die Herkunft des Kolostrums – idealerweise von grasgefütterten Kühen aus kontrollierter Bio-Haltung. Vermeiden Sie Produkte mit Zusatzstoffen. Und: Lassen Sie sich nicht von übertriebenen Werbeversprechen blenden.“ Die Qualität der Produkte variiere stark, und die meisten Nahrungsergänzungsmittel unterlägen keiner strengen behördlichen Kontrolle.
Dr. Kochs Fazit: „Kolostrum ist kein Wundermittel, aber unter bestimmten Bedingungen kann es eine sinnvolle Ergänzung sein. Entscheidend ist eine realistische Erwartungshaltung.“



