Nach 347 Jahren: Traditionsbrauerei Eichbaum in Mannheim insolvent - Ein Drittel der Stellen gestrichen
Traditionsbrauerei Eichbaum nach 347 Jahren insolvent

Insolvenz nach fast 350 Jahren: Traditionsbrauerei Eichbaum streicht massiv Stellen

Ein deutsches Traditionsunternehmen mit einer fast 350-jährigen Geschichte kämpft um sein Überleben. Die Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim hat im vergangenen Oktober Insolvenz angemeldet und befindet sich seit Anfang Januar in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Selbst der Verkauf der beliebten Marke Karamalz konnte die finanziellen Schwierigkeiten nicht beheben.

Drastische Maßnahmen zur Rettung

Um die Chancen auf eine Rettung zu erhöhen, muss die Traditionsbrauerei nun die Mitarbeiterzahl von derzeit rund 290 auf unter 200 reduzieren. Dies bedeutet einen Stellenabbau von mehr als einem Drittel der Belegschaft. Co-Geschäftsführer Uwe Aichele betonte gegenüber dem Mannheimer Morgen: „Auch für uns ist das ein sehr schmerzhafter Schritt. Aber nur so erhalten wir uns eine Chance, den Rest der Brauerei zu retten.“

Die Kündigungen sollen in den kommenden Wochen ausgesprochen werden. Bereits Ende Januar wurde die Belegschaft über die drastischen Maßnahmen informiert – ein schwerer Schlag für viele Mitarbeiter.

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Reaktionen von Betriebsrat und Gewerkschaft

Betriebsratschef Umut As beschreibt die Situation gegenüber BILD als äußerst kritisch: „Das ist eine bittere Pille. Wir haben jetzt leider keine andere Wahl. Wir müssen diesen Weg jetzt so gehen.“ Es gehe um das nackte Überleben des Unternehmens.

Stephanie Albicker von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Mannheim-Heidelberg fordert klare Perspektiven für die Beschäftigten: „Für die Eichbaum-Beschäftigten muss es eine Zukunft geben, zumindest in einer Auffanggesellschaft.“

Historische Krisen und Wiederbelebungen

Die Brauerei steht in ihrer langen Unternehmensgeschichte nicht zum ersten Mal vor dem Ruin. Am 3. Oktober 1679 wurde die Brauereikonzession durch den Mannheimer Stadtrat vergeben. Doch bereits zehn Jahre später endete das erste Kapitel der Eichbaum-Brauerei mit der vollständigen Zerstörung der Stadt. Erst 28 Jahre später wurde das Unternehmen wiederbelebt.

Von da an ging es zunächst steil bergauf, bis in den 1930er Jahren der Bierabsatz auf Druck der Nationalsozialisten stark zurückging. Grund dafür waren die jüdischen Aktionäre des Unternehmens, die gezwungen wurden, ihre Anteile zu verkaufen. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Brauerei als Hauptlieferant der amerikanischen Armee bereits wieder an alte Erfolge anknüpfen.

Aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Von den nun geplanten Entlassungen soll vor allem die Produktion betroffen sein, aber auch die Verwaltung könnte Personal abbauen müssen. Parallel dazu laufen die Gespräche mit potenziellen Investoren auf Hochtouren. Ein Ergebnis wird in Kürze erwartet.

Chef Aichele setzt alles daran, den Standort und die Marke zu erhalten, weiß jedoch um die schwierige Marktsituation: „Der deutsche Biermarkt ist sehr schwierig.“ Die Eichbaum-Brauerei plant zudem, ihre Produktpalette kräftig zu erweitern, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die fast 350-jährige Geschichte des Traditionsunternehmens steht erneut auf dem Spiel. Ob die drastischen Maßnahmen und die Suche nach Investoren die Rettung bringen können, bleibt abzuwarten.

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