Rostocker Werft Tamsen: Alte Minenjäger und neue Drohnen im globalen Sicherheitsboom
Rostocker Werft Tamsen: Minenjäger und Drohnen gefragt

Rostocker Werft profitiert von globaler Sicherheitskrise

Die Rostocker Werft Tamsen maritim erlebt einen unerwarteten Geschäftsboom. Grund dafür ist die weltweit angespannte Sicherheitslage, insbesondere der anhaltende Iran-Krieg, der die Nachfrage nach maritimen Sicherheitslösungen dramatisch erhöht hat. Geschäftsführer Christian Schmoll berichtet von einem nicht abreißenden Telefonverkehr seit Kriegsbeginn.

Alte Minenjäger werden zu begehrten Sicherheitsgütern

Bereits vor Jahren hatte Schmoll mehrere ausgemusterte Minenjagdboote der Bundesmarine erworben – eine Investition, die sich nun auszahlt. Die fünf in der Warnow liegenden Ex-Marineboote sind plötzlich weltweit begehrt, insbesondere bei Ölstaaten am Persischen Golf. „Die Angst vor Minen ist groß“, erklärt Schmoll die plötzliche Nachfrage.

Die besondere Bedeutung dieser Schiffe liegt in ihrer Konstruktion: Es handelt sich um antimagnetische Edelstahl-Überwasserschiffe, die schockfest und sehr leise sind. Weltweit existieren nur 33 dieser Spezialboote. „Diese Minenjäger können die Straße von Hormus wieder frei machen“, erläutert Schmoll die strategische Bedeutung der Schiffe für die internationale Schifffahrt.

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Internationale Nachfrage aus mehreren Krisenregionen

Die Anfragen kommen nicht nur aus dem Golfgebiet, wo zahlreiche Ölstaaten seit Kriegsbeginn vom iranischen Regime mit Raketen angegriffen werden. Auch aus dem Baltikum und dem Schwarzen Meer erreichen die Werft Anfragen, da dort die Angst vor der russischen Marine und verlegten Minen wächst. „Wenn nur eine einzige Mine gelegt wird, ist die ganze Wasserstraße versperrt“, warnt Schmoll vor den maritimen Gefahren.

Die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft eines ausrangierten Minenjägers könnte bis zu 24 Monate dauern, doch die Vorbereitungen laufen bereits. Parallel dazu liegen zwei weitere, noch aktive Minenjäger der Bundesmarine zur Überholung bei Tamsen – der 86. und 87. Minenjäger, die bei der Rostocker Werft repariert werden.

Deutsche Marine als wichtiger Partner

Die Deutsche Marine bleibt der wichtigste Einzelkunde von Tamsen maritim, insbesondere im Reparaturbereich. „Die gewachsene Zusammenarbeit mit der Marine ist das wesentliche Standbein unserer Werft“, betont Geschäftsführer Schmoll. Neben Minenjägern kümmert sich Tamsen auch um die in Hohe Düne stationierten Korvetten und Hilfsschiffe, wobei größere Schiffe direkt vor Ort betreut werden müssen, da die Gehlsdorfer Werft nur Schiffe bis 70 Meter Länge aufnehmen kann.

Innovation: Unbemannte Überwasser-Drohnen

Als einzig verbliebener Schiffbauer in Rostock nach der Neptun Werft hat Tamsen maritim zusätzlich zu den Minenjägern ein innovatives Produkt entwickelt: unbemannte Überwasserfahrzeuge. Diese zwischen 7 und 17 Meter langen Drohnen dienen verschiedenen Zwecken:

  • Als Seeziele für Schießübungen der Marine
  • Für Erkundungen und Seeraumüberwachung mit Kameraausstattung
  • Als bewaffnete Kampfeinheiten mit Waffensystemen

„Autonome Systeme zu Wasser werden bei der Marine kurzfristig eingeführt, um vielfältigen Bedrohungen, zum Beispiel durch Schwarmangriffe, begegnen zu können, ohne Menschenleben zu gefährden“, erklärt Schmoll die strategische Bedeutung der Entwicklung.

Serienproduktion und Marktperspektiven

In den Werfthallen von Rostock-Gehlsdorf werden bereits erste Überwasser-Drohnen gebaut, die demnächst in Serie gehen sollen. Schmoll sieht einen großen Markt für diese Technologie und rechnet damit, dass die Nachfrage „dieses Jahr richtig losgehen wird“. Projekte, die 2026 beauftragt werden, könnten bereits 2029 im Einsatz bei der Marine sein.

Die Rostocker Werft positioniert sich damit erfolgreich an der Schnittstelle zwischen traditionellem Schiffbau und modernster maritimer Sicherheitstechnologie – eine Strategie, die angesichts der globalen Sicherheitslage zunehmend an Bedeutung gewinnt.

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