Existenzkampf in Prenzlau: Griechisches Restaurant durch monatelange Straßensperrung bedroht
Restaurant in Prenzlau durch Vollsperrung in Existenznot

Existenzkampf in Prenzlau: Griechisches Restaurant durch monatelange Straßensperrung bedroht

Eine monatelange Vollsperrung der Güstower Straße in Prenzlau stellt das griechische Restaurant „Kreta“ vor eine existenzielle Krise und gefährdet zugleich die Arbeitsplätze von fünf Angestellten. Inhaber Zef Vorfi, der das Lokal gemeinsam mit einem Partner betreibt, sieht sich gezwungen, mit kreativen Notlösungen wie einem Lieferservice und Gutscheinaktionen gegen die dramatischen Umsatzeinbrüche anzukämpfen.

Dramatische Umsatzeinbrüche durch Vollsperrung

Seit Mitte März „verirren“ sich aufgrund der Vollsperrung der L25 teilweise nur noch zehn Mittagsgäste in das ansonsten gut frequentierte Restaurant. Die Ausnahme vom Durchfahrtsverbot gilt ausschließlich für Anwohner, nicht jedoch für Anlieger, was bereits zu Bußgeldern durch die Polizei an Wochenenden führte. Der etwa 15 Kilometer längere Umweg über Dedelow stellt für viele potenzielle Gäste eine unüberwindbare Hürde dar, insbesondere angesichts der aktuell hohen Spritpreise.

„In den Wintermonaten fahren wir unterm Strich ein Minus ein. Die Fixkosten für Umsatz- und Gewerbesteuer, Krankenkassenbeiträge und Gebühren summieren sich auf circa 250.000 Euro“, rechnet Zef Vorfi vor. Die Osterfeiertage, die normalerweise den Startschuss für eine gut gebuchte Saison bieten, sind in diesem Jahr von zahlreichen Stornierungen geprägt.

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Notlösungen und Hoffnung auf Kompromiss

Um den dramatischen Einbruch abzufedern, hat das Restaurantteam mehrere Maßnahmen ergriffen:

  • Einrichtung eines Lieferservice mit Mindestbestellwert von 30 Euro und einem Aufschlag von drei Euro aufgrund der Spritkosten
  • Einführung einer speziellen Mittagskarte an Wochentagen
  • Vergabe von Fünf-Euro-Gutscheinen für Gäste, die den beschwerlichen Weg dennoch auf sich nehmen

Doch Vorfi bezweifelt, dass diese Maßnahmen ausreichen werden: „Was uns wirklich sehr helfen würde, wäre eine Freigabe der Durchfahrt für Anlieger, in der Woche nach den Bauarbeiten von 15 bis 22 Uhr und an den Wochenenden komplett.“ Er hofft auf eine schnelle Einigung mit der Baumfirma Eurovia, möglichst noch vor den Osterfeiertagen.

Schwierige Ausgangslage und regionale Unterstützung

Das Restaurant „Kreta“, das 2020 eröffnet wurde, hatte bereits einen schwierigen Start durch die Corona-Jahre mit Lockdowns und massiven Einschränkungen in der Gastronomiebranche. Sollten sich während der Bauzeit, die bis mindestens Dezember andauern soll, keine tragfähigen Kompromisslösungen abzeichnen, steht die sechste Saison des Restaurants auf der Kippe.

Prenzlaus Bürgermeister Marek Wöller-Beetz (CDU) hat Unterstützung angeboten, darunter die Aufstellung eines mobilen Imbisswagens vor dem Rathaus mit Übernahme der Hälfte der Stromkosten. Diese Alternative scheitert jedoch bislang an der fehlenden Wasserver- und Abwasserentsorgung. Auch der Vorschlag, einen leeren Fleischerstand im Kaufland-Center zu nutzen, ist an der fehlenden Entlüftungsanlage gescheitert.

Drei gleichzeitige Vollsperrungen sorgen für Unmut

Die Bauarbeiten, eine Gemeinschaftsmaßnahme der Stadt Prenzlau, des Norduckermärkischen Wasser- und Abwasserverbandes (NUWA) und des Landesbetriebs Straßenwesen, dienen der Ertüchtigung der Wasserversorgung in diesem Bereich, wo seit Jahren Probleme mit niedrigem Wasserdruck bestehen.

Dass die Arbeiten zeitgleich in Prenzlau (Güstower Straße), Güstow und Basedow über ein dreiviertel Jahr hinweg zu drei Vollsperrungen führen, stößt bei Anwohnern auf Unverständnis: „So etwas kann nur jemand geplant haben, der nicht selbst als Anwohner oder Pendler davon betroffen ist“, heißt es in Kommentaren in sozialen Netzwerken.

Im Gegensatz zum Restaurant „Kreta“ konnte sich die Hoffleischerei Güstow am Lindenberg 22 bereits über eine praktikable Lösung freuen. In Absprache mit der Baufirma und dem Landkreis ist es trotz der Baustelle möglich, für Einkäufe auf dem Kundenparkplatz vorzufahren.

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Für Zef Vorfi und sein Team bleibt die Situation angespannt: „Wir versuchen alles, um unseren Mitarbeitern ihr Einkommen zu sichern. Wir wissen ja, wie schwierig es wäre, in der Region neue Angestellte für die griechische Küche zu finden.“ Die Entscheidung über die Freigabe der Durchfahrt für Anlieger könnte über die Existenz des Restaurants „Kreta“ entscheiden.