Ravensburger übernimmt Mehrheit an Plüschtierfirma Steiff
Ravensburger kauft Mehrheit an Teddybär-Hersteller Steiff

Zwei der bekanntesten deutschen Spielzeugmarken schließen sich zusammen. Der Plüschtierhersteller Steiff, bekannt für seine Teddybären mit dem Knopf im Ohr, kommt künftig unter das Dach von Ravensburger. Die Spielefirma übernimmt die Mehrheit, wie beide Unternehmen mitteilten.

Familie Steiff verkauft Mehrheitsanteil

Verkäuferin ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft, die von den Erben der Gründerin Margarete Steiff gehalten wird. Steiff soll jedoch weiterhin eigenständig geführt werden. Die Höhe der Beteiligung und der Kaufpreis blieben offen. Der Familienanteil der Steiffs werde wesentlich bleiben, hieß es. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.

Ravensburger-Chef betont emotionale Stärke der Marke

Ravensburger-Chef Clemens Maier begründete den Schritt mit der emotionalen Stärke der Kultmarke: „Unser Firmengründer Otto Maier war inspiriert von der Vorstellung, Spielzeug für Hirn, Hand und Herz zu entwickeln. Steiff steht dabei in besonderer Weise für das Herz“, sagte er. Die Produkte seien seit Generationen für viele Menschen Teil ihrer Kindheit.

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Mit dem Verkauf will die Steiff-Familie die Weichen für eine langfristige Perspektive des Traditionsunternehmens stellen. „Für uns war entscheidend, Steiff in verantwortungsvolle, unternehmerische Hände zu geben, die die Marke, die Werte und Geschichte verstehen und respektieren“, teilte der Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft, Frederik Reimann, mit. Ravensburger stehe wie kaum ein anderes Unternehmen für genau diese Haltung.

Steiff-Chef Frank Rheinboldt ergänzte, die Partnerschaft schaffe den Rahmen, internationale Potenziale gezielt zu nutzen und Tradition mit neuen Impulsen zu verbinden.

Umsatzrückgang bei Ravensburger

Ravensburger schlägt bei Steiff in einer Phase des wirtschaftlichen Gegenwinds zu. Nach einem Rekordumsatz von 790 Millionen Euro im Jahr 2024 – angetrieben vom Hype um das Sammelkartenspiel „Disney Lorcana“ – ging der Umsatz 2025 auf 742 Millionen Euro zurück. Das Kerngeschäft mit Spielen, Puzzles und Büchern legte zwar zu, der Sammelkarten-Boom ließ jedoch merklich nach.

Zudem spürt Ravensburger einen steigenden Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Schwaben hatten daher angekündigt, an Strukturen und Ausgaben arbeiten zu wollen. Das umfasst auch einen Stellenabbau im unteren zweistelligen Bereich. Zuletzt waren bei dem Spielehersteller gut 2500 Menschen in Ravensburg und in einem Werk in Tschechien beschäftigt.

Bereits im Frühjahr hatte Ravensburger angekündigt, sich breiter aufstellen zu wollen. Unter anderem soll das Eventportfolio ausgebaut werden. Dazu gehören Sammelkarten-Turniere und Speedpuzzle-Wettbewerbe. An Bedeutung gewinnen demnach auch personalisierte Angebote wie Fotopuzzles.

Weitere Zukäufe in jüngster Zeit

Die Steiff-Übernahme ist nicht der erste Zukauf des Unternehmens in jüngster Zeit: Ravensburger hat sich zuletzt mehrheitlich am NordSüd Verlag beteiligt – dem größten Schweizer Kinderbuchverlag, bekannt für Klassiker wie „Der Regenbogenfisch“ und „Lars, der kleine Eisbär“. Ravensburger baut damit sein Kinderbuchsegment aus und sichert sich Zugang zu etablierten Figuren.

Zur Ravensburger-Gruppe gehören unter anderem bereits Marken wie Brio, die für Holzeisenbahnen bekannt sind, und der Spielkartenverlag FX Schmidt. Mit Steiff kommt nun ein weiterer großer Name hinzu.

Umbruch in der Spielzeugbranche

Auch andere Unternehmen suchen aktuell nach Partnern oder neuen Wegen. So übernahm etwa die Simba-Dickie-Group, zu der unter anderem der Bobby-Car-Hersteller Big und das Modelleisenbahn-Unternehmen Märklin gehören, Anfang 2026 eine US-Firma, um ihr internationales Geschäft auszubauen. Playmobil setzt angesichts sinkender Umsätze auf neue Zielgruppen – unter anderem mit Figuren der Fußballnationalmannschaft und aller Bundesligisten.

Die Teddybärenfirma Steiff verkauft mittlerweile auch Bären in Fußballtrikots oder Figuren aus dem Disney-Universum wie Winnie Puuh und Micky Maus. Außerdem hat Steiff Baby- und Kinderkleidung im Angebot. Für den mittlerweile verstorbenen Modedesigner Karl Lagerfeld kreierte das Unternehmen einen besonderen Bären.

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Die Steiff Beteiligungsgesellschaft, zu der die Margarete Steiff GmbH gehört, besitzt auch einen kleinen Automobilzulieferer und eine Weberei. Die jüngsten veröffentlichten Zahlen der Gruppe stammen aus dem Jahr 2023: Damals erwirtschaftete sie mit knapp 1300 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 94 Millionen Euro. Mehr als zwei Drittel davon entfallen auf das Spielzeug-Geschäft. Zum Vergleich: 2019 machte Steiff einen Umsatz von mehr als 112 Millionen Euro.

2023 schrieb die Steiff-Gruppe einen Verlust von rund 416.000 Euro, was laut Jahresabschluss vor allem auf die schwächelnde Autosparte zurückgeht. Das Spielzeug-Kerngeschäft lief demnach besser. Die gesamte Gruppe schrieb in den Vorjahren mehrfach rote Zahlen, zum Teil im Millionenbereich. Wie es Steiff aktuell geht, ist nicht bekannt. Neuere Daten sind bislang nicht verfügbar.

Vom Nadelkissen zum Teddybären

Die Geschichte von Steiff beginnt nicht mit einem Teddybären, sondern einem anderen Tier: Nach der Schneiderlehre machte sich Margarete Steiff 1877 mit einem Filzgeschäft selbstständig – und stellte einen kleinen Stoffelefanten als Nadelkissen her. Dieser wurde der Firmenhistorie zufolge als Kinderspielzeug schnell zum Verkaufsschlager. 1880 gilt als das Gründungsjahr von Steiff. Bereits wenig später gehörten neben dem Elefanten unter anderem auch Affen, Esel, Pferde, Kamele, Schweine und Giraffen zum Sortiment.

Bis der berühmte Teddybär entstand, dauerte es allerdings noch ein paar Jahre: Margaretes Neffe Richard Steiff entwarf den Bären 1902. Es war nach Firmenangaben der weltweit erste Plüschbär mit beweglichen Armen und Beinen. Ab 1906 sei der Bär unter dem Namen „Teddybär“ verkauft worden – benannt nach dem amerikanischen Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt.