Ostdeutsche Textilbranche setzt auf Recycling und Innovation
Recycling statt Wegwerfen: Die ostdeutsche Textilindustrie identifiziert im Recycling einen bedeutenden Zukunftsmarkt. Millionen Tonnen von Alttextilien werden derzeit nicht als wertvolle Rohstoffe genutzt, wie Thomas Lindner, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti), betont. Die Wiederverwertbarkeit neuer Textilien müsse von Anfang an konsequent mitgedacht werden.
Branchenschwerpunkt: Technische Textilien
Die Techtextil in Frankfurt am Main präsentiert sich diese Woche als internationale Leitmesse für technische Textilien und Vliesstoffe. Rund 1.500 Aussteller aus 52 Ländern zeigen hier ihre Innovationen. Dieser Sektor bildet den klaren Schwerpunkt der Textilbranche in Ostdeutschland. Laut Verbandsangaben generieren die Unternehmen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit technischen Textilien. Der vti vertritt etwa 110 Mitglieder, die hauptsächlich in Sachsen und Thüringen angesiedelt sind.
Herausforderungen durch Automobilkrise und Rohstoffengpässe
Die Branche kämpft derzeit mit mehreren ernsthaften Problemen. Viele Unternehmen spüren deutlich die Auswirkungen der Absatzkrise in der Automobilindustrie. In modernen Fahrzeugen finden sich zahlreiche Textilkomponenten – von Sitzbezügen über Dachhimmel bis hin zu verschiedenen Bespannungen im Innenraum. Zusätzlich belastet eine „desaströse Entwicklung“ im Textileinzelhandel die Betriebe.
Die angespannte weltpolitische Lage stellt zudem die Versorgung mit essentiellen Rohstoffen wie Fasern und Chemikalien zunehmend infrage. Bestimmte Farbstoffe und Vorprodukte sind teilweise gar nicht mehr verfügbar, während gleichzeitig die Einkaufspreise für viele Materialien deutlich steigen. Unter diesen Voraussetzungen hält Lindner ein Wachstum der Branche im aktuellen Jahr für ausgeschlossen.
Innovative Unternehmen präsentieren nachhaltige Lösungen
Auf der Techtextil-Messe sind 26 Unternehmen und Forschungsinstitute aus dem Verband vertreten, die wegweisende Entwicklungen vorstellen:
- Norafin aus Mildenau im Erzgebirge präsentiert Vliesstofflösungen aus recycelten Fasern sowie ökologische Vliesstoffe aus natürlichen Materialien wie Flachs, Hanf, Cellulose und Schafwolle.
- Vowalon aus Treuen im Vogtland stellt neuartige Outdoor-Materialien vor, die sich durch besondere Strapazierfähigkeit und ausgezeichnete Witterungsbeständigkeit auszeichnen sollen.
- C.F. Weber aus Spitzkunnersdorf in Ostsachsen treibt die Abkehr von sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) konsequent voran. Das Unternehmen plant, ab 2027 das komplette Sortiment frei von diesen problematischen Substanzen anzubieten.
Diese Unternehmen arbeiten intensiv mit Forschungsinstituten in der Region zusammen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen: Aus Alttextilien sollen wieder hochwertige neue Produkte entstehen können. Die ostdeutsche Textilindustrie zeigt damit, wie Innovation und Nachhaltigkeit auch in schwierigen Marktphasen erfolgreich verbunden werden können.



