Lufthansa-Streiks trotz Krise: Flugbegleiter legen Luftverkehr lahm
Die Streikwelle bei der Deutschen Lufthansa AG reißt nicht ab. Obwohl der Konzern angesichts des Iran-Konflikts und einer Sonderkonjunktur nach Asien eigentlich auf Zusammenhalt angewiesen wäre, bleibt die Atmosphäre vergiftet. Am kommenden Freitag müssen Passagiere bereits zum dritten Mal in diesem Jahr mit massiven Flugausfällen und Verspätungen rechnen.
Flächendeckender Arbeitskampf der Kabinencrew
Nach den Streikwellen der Piloten im Februar und März hat nun die Gewerkschaft Ufo die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter zu einem flächendeckenden Arbeitskampf aufgerufen. Betroffen sind zwischen 00.01 und 22.00 Uhr hunderte Abflüge der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Lufthansa Cityline. Die Streiks konzentrieren sich auf die Drehkreuze München und Frankfurt, erfassen aber auch zahlreiche andere deutsche Flughäfen.
Besonders hart trifft es die Rückreisenden nach den Osterferien: Weil Maschinen an ausländischen Zielen fehlen, dürften auch zahlreiche Rückflüge zunächst ausfallen. Die Situation stellt viele Urlauber vor erhebliche logistische Probleme.
Gegenmaßnahmen des Konzerns
Lufthansa reagiert mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket auf den Streikaufruf. Der Konzern kündigte zusätzliche Flüge seiner nicht bestreikten Airlines an. Kunden von Eurowings, Discover, Swiss, Austrian, Brussels, Edelweiss und Ita müssen sich laut Unternehmensangaben keine Sorgen machen. Auf einigen Strecken sollen zudem größere Flugzeuge eingesetzt werden, um die Kapazitäten zu erhöhen.
Ein bereits veröffentlichter Sonderflugplan zeichnet dennoch ein düsteres Bild: Am Drehkreuz Frankfurt wurden von knapp 350 geplanten Lufthansa-Abflügen 75 Prozent gestrichen. An größeren Flughäfen wie Hamburg oder Berlin fielen ebenfalls dutzende Flüge aus.
Passagierinformation und Entschädigungen
Lufthansa rät allen betroffenen Passagieren, sich umfassend über ihren Flugstatus zu informieren. Die Airline bietet Umbuchungen und Erstattungen der Tickets an. Bei Verspätungen von über drei Stunden stehen den Fluggästen Entschädigungen zu. Zudem muss das Unternehmen für alternativen Transport, Verpflegung und Unterkunft sorgen, falls notwendig.
Hintergründe des Tarifkonflikts
Dem Streikaufruf ging eine Urabstimmung voraus, die eine hohe Zustimmung der Beschäftigten zu Arbeitskampfmaßnahmen ergab. Im Kern des Konflikts stehen die Tarifverhandlungen zum Manteltarif bei Lufthansa. Nach Angaben der Gewerkschaft Ufo fehlt zudem die Bereitschaft des Unternehmens, bei der Cityline über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln – eine Frage, von der etwa 800 Arbeitsplätze abhängen.
Personalvorstand Michael Niggemann kritisierte den Streikaufruf als „verantwortungslos“, da er besonders die Rückreisenden nach Ostern treffe und gleich zwei Flugbetriebe paralysiere. Er warf der Ufo vor, bislang nicht ernsthaft verhandelt, sondern schnell eskaliert zu haben.
Ungünstiger Zeitpunkt für Arbeitskampf
Der Streik der sonst meist friedlichen Kabinencrews trifft Lufthansa zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Während der Konzern den 100. Jahrestag seines Erstflugs groß feiern will, belasten externe Faktoren das Geschäft: Der Iran-Konflikt treibt die Kerosinpreise in die Höhe, was manche Flüge unrentabel macht. Gleichzeitig profitiert Lufthansa von einer Sonderkonjunktur nach Asien, weil Airlines vom Persischen Golf aufgrund der Kampfhandlungen ausfallen.
„Eigentlich sollten im Unternehmen gerade alle besonders fest zusammenstehen“, heißt es in Konzernkreisen. Stattdessen verschärfen sich die internen Konflikte.
Weitere Streikgefahr durch Piloten
Auch mit den Piloten ist Lufthansa noch weit von einer Einigung entfernt. Neben den bereits bestreikten Airlines Lufthansa und Cityline haben auch die Crews der Tochter Eurowings für einen Arbeitskampf gestimmt. Die Vereinigung Cockpit kämpft offiziell um höhere Betriebsrenten, hat aber mit der eigens gegründeten Konzerntarifkommission auch den seit Jahren schwelenden Hauptkonflikt im Blick: die Verteilung von Flugzeugen, Jobs und Karrierechancen auf die verschiedenen Flugbetriebe.
Auf der einen Seite steht die etablierte, aber teure Lufthansa, die im vergangenen Jahr nur knapp einen Gewinn erzielte. Auf der anderen Seite positionieren sich junge Betriebe wie der Touristikflieger Discover und die neue Regionaltochter Lufthansa City Airlines mit bis zu 40 Prozent günstigeren Tarifbedingungen. In beiden Betrieben bietet Verdi sich als Tarifpartner an – die einzige Gewerkschaft, die 2026 bei Lufthansa bislang nicht gestreikt hat.
Die Atmosphäre im Lufthansa-Konzern bleibt angespannt. Während Management und Gewerkschaften auf Konfrontationskurs bleiben, müssen Passagiere weiterhin mit erheblichen Beeinträchtigungen im Luftverkehr rechnen.



