Lidl eröffnet erstes Pub in Nordirland: Discounter nutzt Lizenzlücke für ungewöhnliches Projekt
Die Pub-Kultur ist in Großbritannien tief verwurzelt und genießt einen fast heiligen Status. Nun wagt sich ausgerechnet eine deutsche Supermarktkette in dieses traditionelle Geschäftsfeld. In einem kleinen Vorort der nordirischen Hauptstadt Belfast hat Lidl mit dem Bau eines eigenen Pubs begonnen, der direkt neben einer bestehenden Filiale entsteht. Dieses außergewöhnliche Vorhaben ist jedoch nicht auf eine geschäftliche Expansion in die Gastronomie zurückzuführen, sondern resultiert aus speziellen nordirischen Gesetzen zum Alkoholverkauf.
Einkaufen und Pint genießen unter einem Dach
In Dundonald in der Grafschaft Down wird derzeit ein separates Pub-Gebäude neben dem Lidl-Supermarkt errichtet. Nach Angaben des Discounters soll das Lokal Platz für bis zu 60 Gäste bieten, die dort ihr Pint genießen können. Die Eröffnung ist für den Sommer geplant. Das Angebot wird eine Auswahl an Bier, Wein und Spirituosen umfassen, wobei ein besonderer Fokus auf regionalen Lieferanten liegt. Gordon Cruikshanks, Regionalgeschäftsführer von Lidl für Nordirland, erklärte, dass das Projekt über einen Zeitraum von sechs Jahren geplant wurde. Kunden könnten somit bald ihren Wocheneinkauf erledigen und anschließend direkt mit den Einkaufstüten ins benachbarte Pub wechseln.
Kuriose Lizenzgesetze als Auslöser
Hinter dem Bau des ersten Lidl-Pubs stecken ungewöhnliche rechtliche Umstände, wie die BBC berichtet. In Nordirland gelten strenge Vorschriften für den Verkauf von Alkohol in Supermärkten. Um eine Lizenz zu erhalten, müssen Unternehmen nachweisen, dass es in ihrem Gebiet nicht genügend lizenzierte Betriebe gibt, um den öffentlichen Bedarf zu decken. Für eine reguläre Supermarkt-Lizenz konnte Lidl diesen Nachweis nicht erbringen. Allerdings gelang der Nachweis für eine Gaststättenlizenz, da in den vergangenen Jahren zwei nahegelegene Bars geschlossen hatten. Mit der Einstufung als Pub ist auch eine sogenannte Off-Sales-Zone erlaubt, die den Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen ermöglicht. Weitere Lidl-Pubs sind aufgrund dieser speziellen Situation allerdings unwahrscheinlich.
Rechtliche Auseinandersetzungen und Urteil
Konkurrenten reichten gegen das Vorhaben eine Klage vor dem High Court ein, die jedoch im Januar 2025 abgewiesen wurde. Die Kläger warfen Lidl vor, ein unzulässiges Schlupfloch in den Gesetzen zu nutzen. Der Richter urteilte jedoch, dass das Gesetz einem Unternehmen, das einen innovativen Ansatz verfolgen wolle, nicht im Weg stehe. Dieses Urteil ebnete den Weg für den Bau des Pubs und unterstreicht die Flexibilität, die Lidl in dieser ungewöhnlichen Situation bewiesen hat.
Expansion von Discountern in Großbritannien
Discounter wie Aldi und Lidl haben ihren Marktanteil in Großbritannien in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Lidl plant in den nächsten zwölf Monaten mehr als 50 neue Filialen im Land zu eröffnen und investiert dafür mehr als 600 Millionen Pfund, umgerechnet etwa 689 Millionen Euro, in den Ausbau seines Filialnetzes. Das Pub-Projekt in Nordirland zeigt, wie kreativ Unternehmen auf lokale rechtliche Herausforderungen reagieren können, um ihre Geschäftsaktivitäten auszuweiten.



