Kondom-Preisschock trifft Verbraucher weltweit
Der weltweit führende Kondomhersteller Karex hat einen deutlichen Preisschock angekündigt: Die Preise für Kondome werden in den kommenden Monaten um 20 bis 30 Prozent steigen. Diese drastische Erhöhung ist auf massive Störungen in den globalen Lieferketten zurückzuführen, die durch den anhaltenden Iran-Krieg verursacht wurden.
Lieferkettenprobleme und Rohstoffkosten treiben Preise
Firmenchef Goh Miah Kiat erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Situation äußerst heikel sei. Die Preise für wichtige Rohstoffe wie synthetischen Kautschuk, Verpackungsmaterial und Silikonöl sind stark gestiegen, was das Unternehmen zwingt, diese Mehrkosten an die Kunden weiterzugeben. Gleichzeitig ist die weltweite Nachfrage nach Kondomen in diesem Jahr um etwa 30 Prozent gestiegen, da viele Kunden aufgrund hoher Frachtkosten und Lieferverzögerungen nur noch minimale Lagerbestände halten.
Karex produziert jährlich über fünf Milliarden Kondome und beliefert damit bekannte Marken wie Durex und Trojan. Das Unternehmen versorgt auch staatliche Gesundheitssysteme und UN-Hilfsprogramme, was die globale Bedeutung dieser Preiserhöhung unterstreicht.
Besorgniserregender Rückgang der Kondomnutzung bei Jugendlichen
Parallel zu den steigenden Preisen zeigt ein Dringlichkeitsbericht der Weltgesundheitsorganisation alarmierende Trends beim Kondomgebrauch unter Jugendlichen in Europa. Die mehrteilige HBSC-Studie zum Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter belegt, dass sexuell aktive Jugendliche seit 2014 deutlich seltener Kondome verwenden.
Die Zahlen sind besorgniserregend:
- Bei Jungen sank der Anteil derjenigen, die beim letzten Geschlechtsverkehr ein Kondom nutzten, von 70 Prozent im Jahr 2014 auf 61 Prozent im Jahr 2022
- Bei Mädchen fiel dieser Wert im gleichen Zeitraum von 63 Prozent auf 57 Prozent
- Besonders alarmierend: Fast ein Drittel der Jugendlichen gab an, beim letzten Geschlechtsverkehr weder ein Kondom noch die Antibabypille verwendet zu haben
Soziale Ungleichheit und dringender Handlungsbedarf
Diese Werte haben sich seit 2018 kaum verändert und zeigen eine besorgniserregende soziale Ungleichheit: Jugendliche aus einkommensschwachen Familien sind stärker betroffen als Gleichaltrige aus wohlhabenderen Haushalten (33 Prozent gegenüber 25 Prozent). Die stabile Verwendung von Antibabypillen kann den Rückgang beim Kondomgebrauch nicht ausgleichen, was potenzielle Risiken für sexuell übertragbare Infektionen und ungeplante Schwangerschaften erhöht.
Die gestörten Lieferketten und steigenden Preise erschweren den Zugang zu Kondomen zusätzlich und verschärfen die ohnehin schon besorgniserregende Situation. Gesundheitsbehörden und Bildungseinrichtungen stehen vor der Herausforderung, zusätzliche Aufklärungsanstrengungen zu unternehmen, um die sexuelle Gesundheit der Jugend zu schützen. Die Kombination aus Preiserhöhungen und sinkender Nutzung stellt eine doppelte Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar, die dringend angegangen werden muss.



