Iran-Krieg erschüttert Wirtschaft in Norddeutschland: IHK-Umfrage offenbart dramatische Folgen
Die Auswirkungen des Iran-Krieges am Persischen Golf erreichen mit voller Wucht die Wirtschaft in Bremen und Niedersachsen. Eine aktuelle Blitzumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammer (IHK) zeigt ein alarmierendes Bild: Mehr als 80 Prozent der Unternehmen in Niedersachsen und rund 75 Prozent in Bremen und Bremerhaven sind bereits von den Folgen des Nahost-Konflikts betroffen.
Energiekosten und Logistik im freien Fall
Drastisch gestiegene Energiekosten und massive Störungen in den globalen Lieferketten stellen die größten Herausforderungen dar. Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen, warnt in Hannover: „Was wir im Moment sehen, ist erst der Anfang.“ Die Probleme beschränken sich nicht nur auf höhere Kosten, sondern erfassen zunehmend die Verfügbarkeit kritischer Vorprodukte.
Die Liste der knappen Materialien liest sich wie ein Who-is-who der industriellen Grundstoffe:
- Chemische Rohstoffe und rohölbasierte Produkte
- Metalle wie Aluminium, Wolfram und Kupfer
- Elektronikbauteile und Halbleiter
- Kunststoffe und Polymere
- Düngemittel und Bitumen
Logistiksystem am Rande des Kollapses
Die Logistikbranche steht besonders unter Druck. 96 Prozent aller Verkehrsunternehmen spüren die Auswirkungen des Konflikts. Erhebliche Warenvolumen sind auf dem Weg nach Europa „gestrandet“, während gleichzeitig ein akuter Containermangel herrscht. Selbst bei sofortiger Öffnung der Straße von Hormus würde es laut Experten viele Monate dauern, bis sich die Logistikketten wieder normalisierten.
Für den Hafen- und Logistikstandort Bremen und Bremerhaven sind die Folgen besonders gravierend. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, betont: „Stabile Handelsrouten und eine sichere Energieversorgung sind für exportorientierte Standorte wie Bremen und Bremerhaven Grundvoraussetzung.“
Branchenspezifische Auswirkungen
Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen:
- Baugewerbe: 84 Prozent der Unternehmen klagen über stark gestiegene Rohstoff- und Materialkosten
- Gastgewerbe: Knapp zwei Drittel verzeichnen Nachfrage- und Auftragsrückgänge
- Industrie: 18 Prozent berichten bereits von konkreten Knappheiten bei Vorprodukten
Interessanterweise herrscht noch keine flächendeckende Rohstoffknappheit. Über alle Branchen hinweg klagen bislang 12 Prozent der Unternehmen über Engpässe. In der bremischen Wirtschaft sind solche Probleme bisher kaum spürbar.
Unternehmerische Reaktionen und politische Forderungen
Die Unternehmen reagieren unterschiedlich auf die Krise. 53 Prozent der befragten niedersächsischen Betriebe haben bereits Preisanpassungen vorgenommen, besonders im Verkehrssektor, Handel, Baugewerbe und der Industrie. Weitere Maßnahmen umfassen:
- Verzögerung von Projekten und Investitionen
- Erhöhung der Lagerhaltung (etwa ein Fünftel der Unternehmen)
- Anpassung der Lieferkettenstrukturen
Matthias Fonger von der IHK Bremen fordert klare politische Signale: „Die Bundesregierung muss jetzt die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland spürbar verbessern – durch niedrigere Energiekosten, konsequenten Bürokratieabbau und schnellere Verfahren.“
Die wirtschaftlichen Verwerfungen durch den Iran-Krieg zeigen, wie verwundbar globale Lieferketten und energieintensive Industrien sind. Während die ersten Unternehmen bereits mit Preisanpassungen reagieren, zeichnet sich ab, dass die eigentlichen Herausforderungen erst noch bevorstehen könnten.



