Vom DDR-Betrieb zum Weltmarktführer: Holger Loclair ist reichster Ostdeutscher
Holger Loclair: Vom DDR-Betrieb zum reichsten Ostdeutschen (07.04.2026)

Vom volkseigenen Betrieb zum globalen Konzern: Die Erfolgsgeschichte von Holger Loclair

Als Holger Loclair im Jahr 1977 seine berufliche Laufbahn im damaligen VEB Spezialfarben Oranienburg startete, war er promovierter Chemiker in einem volkseigenen Betrieb der DDR. Fast fünf Jahrzehnte später steht derselbe Mann an der Spitze eines international agierenden Familienunternehmens und gilt nach aktuellen Berechnungen des renommierten US-Wirtschaftsmagazins Forbes als der reichste Ostdeutsche. Seine persönliche und unternehmerische Entwicklung spiegelt einen bemerkenswerten Transformationsprozess wider, der von der Planwirtschaft bis in die globale Marktwirtschaft führt.

Die Metamorphose eines DDR-Betriebs

Loclairs beruflicher Werdegang ist untrennbar mit dem Standort Oranienburg verbunden. Der VEB Spezialfarben produzierte bereits zu DDR-Zeiten selbstklebende und reflektierende Folien. Nach der politischen Wende erfolgte 1990 die Umbenennung in Orafol und ein Jahr später die Privatisierung durch die Treuhandanstalt. Loclair blieb als Geschäftsführer im Unternehmen und führte es zunächst gemeinsam mit einem westdeutschen Investor weiter.

Forbes beschreibt in seinem aktuellen Profil, dass der frühere Mehrheitseigner Klaus Schmidbaur seine Unternehmensanteile zwischen 2013 und 2016 schrittweise an Loclair übertrug. Heute hält Loclair nach diesen Angaben 99 Prozent des Unternehmens. Orafol hat sich in den vergangenen Jahren zum unangefochtenen Weltmarktführer für selbstklebende reflektierende Folien und industrielle Klebebänder entwickelt.

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Oranienburg als pulsierendes Herz des Konzerns

Die heutige Orafol-Gruppe produziert hochspezialisierte Materialien für zahlreiche Anwendungsbereiche:

  • Verkehrsschilder und Autokennzeichen
  • Fahrzeug- und Werbebeklebungen
  • Spezialklebebänder für industrielle Anwendungen

Nach Unternehmens- und Behördenangaben arbeiten weltweit etwa 3.000 Menschen für Orafol. Am historischen Stammsitz in Oranienburg sind davon rund 1.200 Beschäftigte tätig. Der Standort in Brandenburg wächst kontinuierlich weiter: Von 2025 bis 2027 investiert Orafol insgesamt 150 Millionen Euro in den Ausbau des Werks, wobei neue, hochautomatisierte Produktionsanlagen entstehen sollen. Bemerkenswert ist, dass das Unternehmen nach eigenen Aussagen keine staatlichen Fördergelder in Anspruch nimmt.

Politische Anerkennung und wirtschaftliche Bedeutung

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigte das Engagement des Unternehmens bei einem Besuch im Januar 2026 ausdrücklich. Orafol stehe exemplarisch für die industrielle Leistungsfähigkeit des Landes, betonte Woidke. Die umfangreichen Investitionen würden maßgeblich dazu beitragen, bestehende Beschäftigung zu sichern und die industrielle Basis Brandenburgs nachhaltig zu stärken.

Das schwer zu beziffernde Vermögen eines bescheidenen Unternehmers

Die genaue Höhe des privaten Vermögens von Holger Loclair lässt sich nicht amtlich beziffern und basiert ausschließlich auf Schätzungen verschiedener Wirtschaftsmagazine. Forbes führt Loclair aktuell mit einem sogenannten Real Time Net Worth von 1,8 Milliarden US-Dollar (etwa 1,5 Milliarden Euro) und bezeichnet ihn als einzigen Milliardär aus dem Gebiet der ehemaligen DDR.

Vergleichbare Medien veröffentlichten in der Vergangenheit teilweise niedrigere Schätzungen:

  1. Das Manager Magazin bezifferte Loclairs Vermögen 2023 auf etwa 600 Millionen Euro
  2. Business Insider nannte 2025 eine Größenordnung von rund 700 Millionen Euro
  3. Eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung kam bereits 2023 zu dem Schluss, dass das Vermögen die Milliardenmarke erreichen dürfte, sofern sich das Unternehmenswachstum fortsetzt

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Trotz der internationalen Ausrichtung und weltweiten Präsenz ist Orafol seinem brandenburgischen Ursprung treu geblieben. Die Region profitiert in vielfältiger Weise von Arbeitsplätzen, Gewerbesteuereinnahmen und kontinuierlichen Investitionen. Loclair selbst hält sich mit öffentlichen Auftritten bewusst zurück und betont in seltenen Interviews immer wieder, dass ein großer Teil seines Vermögens im Unternehmen gebunden sei – vor allem in Produktionsanlagen, technologischen Entwicklungen und internationalen Tochtergesellschaften.