Vom DDR-Betrieb zum Weltmarktführer: Holger Loclair ist reichster Ostdeutscher
Holger Loclair: Vom DDR-Betrieb zum reichsten Ostdeutschen (06.04.2026)

Vom volkseigenen Betrieb zum globalen Konzern: Die Erfolgsgeschichte von Holger Loclair

Als Holger Loclair im Jahr 1977 seine berufliche Laufbahn im VEB Spezialfarben Oranienburg startete, war er promovierter Chemiker in einem typischen volkseigenen Betrieb der Deutschen Demokratischen Republik. Fast fünf Jahrzehnte später hat sich diese bescheidene Anfangsstation in eine beeindruckende Unternehmenskarriere verwandelt. Heute steht Loclair an der Spitze der international agierenden Orafol-Gruppe und wird vom renommierten US-Wirtschaftsmagazin Forbes als reichster Mann Ostdeutschlands eingestuft.

Die Transformation eines DDR-Betriebs zum Weltmarktführer

Loclairs beruflicher Werdegang ist untrennbar mit dem Standort Oranienburg verbunden. Der ursprüngliche VEB Spezialfarben produzierte bereits während der DDR-Zeit selbstklebende und reflektierende Folien. Nach der politischen Wende erfolgte 1990 die Umbenennung in Orafol, gefolgt von der Privatisierung durch die Treuhandanstalt im darauffolgenden Jahr. Loclair blieb als Geschäftsführer an Bord und führte das Unternehmen zunächst gemeinsam mit einem westdeutschen Investor weiter.

Forbes dokumentiert in seinem aktuellen Profil, dass der frühere Mehrheitseigner Klaus Schmidbaur seine Unternehmensanteile zwischen 2013 und 2016 schrittweise an Loclair übertrug. Heute kontrolliert Loclair nach diesen Angaben 99 Prozent des Unternehmens. Unter seiner Führung hat sich Orafol zum global führenden Hersteller für selbstklebende reflektierende Folien und industrielle Klebebänder entwickelt.

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Oranienburg als Herzstück der internationalen Expansion

Die heutige Orafol-Gruppe produziert hochspezialisierte Materialien für zahlreiche Anwendungsbereiche:

  • Verkehrsschilder und Autokennzeichen
  • Fahrzeug- und Werbebeklebungen
  • Spezialklebebänder für industrielle Anwendungen

Weltweit beschäftigt das Unternehmen etwa 3.000 Mitarbeiter, wovon rund 1.200 am Stammsitz in Oranienburg tätig sind. Trotz der internationalen Ausrichtung bleibt Brandenburg der strategische Mittelpunkt des Konzerns.

Von 2025 bis 2027 plant Orafol Investitionen in Höhe von 150 Millionen Euro in den Ausbau des Werks in Oranienburg. Diese Mittel sollen in neue, hochautomatisierte Produktionsanlagen fließen. Bemerkenswert ist, dass das Unternehmen nach eigenen Angaben bewusst auf staatliche Fördergelder verzichtet und die Expansion aus eigener Kraft finanziert.

Politische Anerkennung und wirtschaftliche Bedeutung

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigte das Engagement des Unternehmens bei einem Besuch im Januar 2026 ausdrücklich. „Orafol steht exemplarisch für die industrielle Leistungsfähigkeit unseres Landes“, betonte Woidke. „Die geplanten Investitionen tragen maßgeblich dazu bei, bestehende Arbeitsplätze zu sichern und die industrielle Basis Brandenburgs nachhaltig zu stärken.“

Das Vermögen des diskreten Unternehmers

Die genaue Höhe von Holger Loclairs privatem Vermögen lässt sich nicht amtlich beziffern und basiert auf Schätzungen verschiedener Wirtschaftspublikationen. Forbes führt Loclair aktuell mit einem sogenannten „Real Time Net Worth“ von 1,8 Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 1,5 Milliarden Euro) und bezeichnet ihn als einzigen Milliardär aus dem Gebiet der ehemaligen DDR.

Vergleichbare Medien hatten in der Vergangenheit teilweise niedrigere Schätzungen veröffentlicht:

  1. Das „Manager Magazin“ bezifferte Loclairs Vermögen 2023 auf etwa 600 Millionen Euro
  2. Business Insider nannte 2025 eine Größenordnung von rund 700 Millionen Euro
  3. Eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung kam bereits 2023 zu dem Schluss, dass das Vermögen die Milliardengrenze erreichen dürfte

Trotz seines beachtlichen wirtschaftlichen Erfolgs bleibt Holger Loclair öffentlich zurückhaltend. In seltenen Interviews betont er regelmäßig, dass ein Großteil seines Vermögens im Unternehmen gebunden sei – insbesondere in modernen Produktionsanlagen, technologischen Entwicklungen und internationalen Tochtergesellschaften. Die Region Brandenburg profitiert indes kontinuierlich von den Arbeitsplätzen, Gewerbesteuereinnahmen und Investitionen des global agierenden Unternehmens mit lokalen Wurzeln.

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