Firmenpleiten erreichen 20-Jahres-Hoch - Baugewerbe und Handel besonders betroffen
Firmenpleiten auf 20-Jahres-Hoch - Bau und Handel leiden

Insolvenzwelle erreicht historisches Niveau: Über 4.500 Firmenpleiten im ersten Quartal

Die deutsche Wirtschaft steht vor einer beispiellosen Insolvenzwelle. Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer aktuellen Analyse mitteilt, wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 insgesamt 4.573 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Dieser Wert markiert den höchsten Quartalsstand seit mehr als zwei Jahrzehnten und übertrifft sogar die Zahlen aus der Finanzkrise des Jahres 2009.

Historischer Vergleich und besondere Betroffenheit

Das letzte Mal lagen die Insolvenzzahlen im dritten Quartal 2005 mit 4.771 Fällen höher. Die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen damit eine alarmierende Entwicklung. Besonders dramatisch ist die Situation in zwei Schlüsselbranchen: Das Baugewerbe und der Handel verzeichnen die höchsten jemals gemessenen Insolvenzwerte. Regionale Spitzenwerte wurden in den wirtschaftsstarken Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen erreicht.

Überraschender Anstieg im März und strukturelle Veränderungen

Der Monat März brachte einen besonders deutlichen Anstieg der Insolvenzen. Die Zahlen lagen 71 Prozent über dem Durchschnitt der Märzmonate von 2016 bis 2019, also aus der Zeit vor der Coronapandemie. Interessanterweise waren im März dieses Jahres jedoch weniger Beschäftigte von Insolvenzen betroffen als im Vorjahreszeitraum. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich durch die Struktur der Pleiten: Der starke Zuwachs geht hauptsächlich auf eine Häufung von Insolvenzen kleinerer Unternehmen zurück, während größere Betriebe mit mehr Mitarbeitern weniger betroffen sind.

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Warnende Prognosen für die kommenden Monate

Die Experten des IWH zeigen sich wenig optimistisch für die nahe Zukunft. „Es ist möglich, dass sich die sehr hohen Werte aus dem März wiederholen“, warnt Steffen Müller, Leiter der Insolvenzforschung am Institut. Die Frühindikatoren lassen nach seinen Worten wenig Raum für positive Erwartungen. Das Institut rechnet auch für das kommende Quartal mit weiterhin hohen Insolvenzzahlen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das IWH die höchsten Jahresinsolvenzzahlen seit 2005 festgestellt. Die aktuelle Entwicklung setzt diesen besorgniserregenden Trend fort und deutet auf strukturelle Herausforderungen in der deutschen Wirtschaft hin, die über konjunkturelle Schwankungen hinausgehen.

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