Insolvenzverfahren für Allgäuer Supermarkt-Kette Feneberg eröffnet
Für die traditionsreiche Supermarkt-Kette Feneberg mit Sitz in Kempten hat das Amtsgericht Kempten zum 1. April 2026 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Feneberg Lebensmittel GmbH eröffnet. Der Grund für diesen drastischen Schritt ist die drohende Zahlungsunfähigkeit des Familienunternehmens, das mehr als 70 Filialen in Bayern und Baden-Württemberg betreibt und rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt.
Eigenverwaltung unter gerichtlicher Aufsicht
Das Gericht ordnete eine Eigenverwaltung an, was bedeutet, dass die bisherige Geschäftsführung zwar am Steuer bleibt, jedoch unter der strengen Aufsicht eines vom Gericht eingesetzten Sachwalters arbeitet. Dieser kontrolliert die Umsetzung eines Sanierungsplans, der das Unternehmen vor dem vollständigen Kollaps bewahren soll. Bereits am 9. Januar 2026 hatte Feneberg den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, nachdem ein vorheriges Schutzschirmverfahren keine ausreichende Stabilisierung gebracht hatte.
Strukturelle Probleme und massive Schuldenlast
Die Insolvenzgründe sind vielfältig und tiefgreifend. Sanierungsgeschäftsführer Stephan Leibold nennt strukturelle Probleme im Filialnetz als einen Hauptfaktor. Hinzu kommt eine erdrückende Schuldenlast durch verschiedene Darlehen sowie erhebliche Altlasten. Besonders belastend sind Pensionsverpflichtungen, die sich auf etwa 200 Millionen Euro summieren sollen. Selbst der Edeka-Konzern, über den Feneberg einen Großteil seines Sortiments bezieht, soll bereits mit einem zweistelligen Millionendarlehen ausgeholfen haben, um den Zusammenbruch zu verzögern.
Hoffnung durch starkes Investorinteresse
Trotz der prekären finanziellen Lage gibt es Grund zur Hoffnung. Sowohl die Geschäftsführung als auch der Insolvenzverwalter betonen, dass es starkes Interesse von solventen Investoren an einer Übernahme der Supermarkt-Kette und der dazugehörigen Tankstellen gibt. „Die Gespräche mit Investoren zu einer möglichen Übernahme der Supermarkt-Kette laufen unterdessen weiter“, erklärt Stephan Leibold. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten dabei die Branchenriesen Edeka und Rewe.
Geteilte Lösung wahrscheinlich
Eine komplette Übernahme durch einen einzelnen Konzern scheitert laut Leibold aus kartellrechtlichen Gründen. Stattdessen deutet sich eine geteilte Lösung mit mehreren Investoren an, bei der verschiedene Filialen von unterschiedlichen Unternehmen übernommen werden könnten. „Derzeit laufen Gespräche, wer welche Filialen am Ende übernehmen könnte“, so der Sanierungsexperte. In den kommenden vier bis sechs Wochen soll eine konkrete Lösung präsentiert werden.
Kontinuität im Geschäftsbetrieb
Für Kunden und Mitarbeiter bedeutet die Insolvenz zunächst keine unmittelbaren Veränderungen. Generalbevollmächtigter Jochen Sedlitz versichert: „Sämtliche Lieferanten, Produzenten und Geschäftspartner stehen weiterhin zur Feneberg Lebensmittel GmbH und gewährleisten die kontinuierliche Warenversorgung. Auch alle Tankstellen bleiben regulär geöffnet.“ Die Geschäftsleitung stehe dabei nicht unter Zeitdruck und prüfe die verschiedenen Übernahmeangebote sorgfältig, um die optimale Lösung für das Unternehmen zu finden.
Ziel: Erhalt von Filialen und Arbeitsplätzen
Im Vordergrund aller Bemühungen steht der Erhalt des umfangreichen Filialnetzes und die Sicherung möglichst vieler der 3000 Arbeitsplätze. Das Familienunternehmen, das zuletzt einen Jahresumsatz von über 500 Millionen Euro erwirtschaftete, ist im süddeutschen Raum nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern auch ein bedeutender Teil der regionalen Versorgungsstruktur. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Sanierungsbemühungen erfolgreich sein werden und wie die Zukunft der traditionsreichen Supermarkt-Kette aussehen wird.



