Elon Musks Milliarden: Deutsches Vermögen ist das Problem
Elon Musks Milliarden: Deutsches Vermögen ist Problem

Elon Musk ist am 12. Juni mit dem Börsengang von SpaceX zum ersten Billionär der Welt geworden. Während die Rekordsumme weltweit für Diskussionen über Vermögensungleichheit sorgt, zeigt ein genauerer Blick: Das eigentliche Problem liegt in Deutschland, wo große Vermögen über Generationen festgemauert sind und Unternehmertum kaum gefördert wird.

Musks volatiles Vermögen im Kontrast zu deutschen Erbvermögen

Einige Tage nach dem Börsengang sprach Kolumnist Felix Oldenburg mit einem der wichtigsten deutschen Business-Angels, der Anfang der 2010er-Jahre zu denen gehörte, die Musk bewunderten. „Selbstfahrende Elektroautos, wiederverwendbare Raketen, Internet für alle aus dem All, das waren die inspirierendsten unternehmerischen Projekte der Welt“, schwärmte er. Er selbst besaß einen der ersten Teslas des Landes. Doch die Debatte konzentriert sich nun auf die schiere Größe der Zahl: Würde die Billion, Schein an Schein gelegt, bis zum Mond reichen? Ja, mehr als 400-mal. Welche Menschheitsprobleme ließen sich lösen? Zehn Jahre lang die globale Bildungslücke schließen, so Oldenburg.

Es liegt nahe, den Rekord als Ausweis einer außer Kontrolle geratenen Vermögensungleichheit zu sehen. Doch das sei der falsche Aufreger, schreibt Oldenburg. Gerade aus deutscher Sicht. In Deutschland ist das Halten von Vermögen über Generationen hinweg zur eigentlichen Strategie der Vermögensverteidiger geworden. Musks Vermögen existiert nicht einmal auf dem Papier – es lebt im Bloomberg-Terminal. Flüchtiger geht es nicht. Alles steckt in seinen Unternehmen, die große Wetten eingehen. Wie volatil das ist, zeigte sich 2022, als Musk nach Forbes-Schätzungen bis zu 200 Milliarden Dollar verlor, weil die Tesla-Aktie in einem Jahr 65 Prozent ihres Werts einbüßte. Nicht sein einziger Guinness-Weltrekord.

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Deutsches Vermögen: Festgemauert statt risikobereit

In Deutschland hingegen sind große Vermögen oft über Generationen festgemauert. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) besitzen die reichsten zehn Prozent der Haushalte rund zwei Drittel des gesamten Nettovermögens. Ein Großteil davon ist in Immobilien, Erbschaften und festverzinslichen Anlagen gebunden – nicht in riskanten Unternehmensgründungen. Oldenburg kritisiert: „Während Musk sein Vermögen immer wieder neu investiert und riskiert, horten deutsche Vermögende ihr Kapital in sicheren Häfen. Das bremst Innovation und Unternehmertum.“

Der deutsche Business-Angel, der anonym bleiben möchte, bestätigt: „Viele reiche Deutsche denken nicht daran, in Start-ups zu investieren. Sie kaufen lieber eine weitere Immobilie oder legen ihr Geld in Staatsanleihen an. Das ist bequem, aber es schafft keine Arbeitsplätze und keine Zukunftstechnologien.“ Dabei gebe es durchaus Potenzial: „Deutschland hat exzellente Ingenieure und Wissenschaftler, aber es fehlt an Risikokapital und einer Kultur, die Scheitern erlaubt.“

Folgen für die deutsche Wirtschaft

Die Zurückhaltung deutscher Vermögender hat konkrete Auswirkungen. Nach Angaben des Bundesverbands Deutsche Start-ups flossen 2025 nur 8,2 Milliarden Euro in junge Unternehmen – ein Bruchteil dessen, was in den USA oder China investiert wird. Gleichzeitig suchen viele Gründer vergeblich nach Finanzierung. „Wir haben eine wachsende Zahl von Start-ups, die nach der ersten Finanzierungsrunde scheitern, weil die Folgeinvestitionen ausbleiben“, sagt der Verbandsvorsitzende. „Das liegt nicht an fehlenden Ideen, sondern an fehlendem Kapital.“

Oldenburg plädiert daher für eine Reform der Vermögensbesteuerung und mehr Anreize für Investitionen in Innovation. „Wir brauchen eine Debatte darüber, wie wir deutsches Vermögen produktiver machen können. Statt es in Beton zu gießen, sollten wir es in die Zukunft investieren – in Technologie, in Bildung, in Unternehmertum.“ Solange das nicht geschehe, werde Deutschland im internationalen Wettbewerb zurückfallen, während Musk und andere Visionäre die Welt verändern.

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