Eispreise in Mecklenburg steigen deutlich: Betriebskosten und Mindestlohn als Haupttreiber
Die beliebte Erfrischung wird für Verbraucher in der Region Teterow und Güstrow spürbar teurer. Eisverkäufer sehen sich gezwungen, ihre Preise anzupassen, was bei manchen Kunden auf Kritik stößt. Die Gründe sind vielfältig und reichen von gestiegenen Betriebskosten bis zu neuen Mindestlohnregelungen.
Kostenexplosion bei Energie, Zutaten und Personal
Wilfried Hahn, Betreiber des Eiscafé Hahn zwischen Klueß und Teterow, erklärt die Situation deutlich: „Schließlich ist alles teurer geworden: sowohl Energiekosten als auch Zutaten.“ Derzeit kostet eine Kugel Eis in seinem Betrieb 1,80 Euro, was im Vergleich zu größeren Städten noch moderat sei, wo bereits über zwei Euro fällig werden.
Neben den Materialkosten belasten auch Personalfragen die Betriebe. Die neuen Mindestlöhne drücken erheblich auf die Kalkulation, und qualifiziertes Personal sei schwer zu finden. „Keiner will mehr am Wochenende arbeiten“, beklagt Hahn. Selbst Schüleraushilfen seien oft nicht mehr in der Lage, einfache Aufgaben zu erledigen.
Innovative Abrechnungsmodelle als Antwort
Arne Grimm, Inhaber des Eisgartens Grimm in Teterow, hat eine kreative Lösung entwickelt. Statt pro Kugel will er künftig nach Gewicht abrechnen. Eine Waage an der Kasse soll das Eis aufs Gramm genau erfassen, 100 Gramm werden dann 1,90 Euro kosten. „Fairer geht es nicht mehr“, betont der Gastronom. Im Vorjahr lag der Preis noch bei 1,70 Euro pro Kugel, nun musste er um 20 Cent erhöhen.
Die Preisanpassungen stoßen nicht überall auf Verständnis. Grimm berichtet von Kritik in sozialen Netzwerken: „Ich habe kein Facebook mehr auf meinem Handy, ansonsten komme ich nicht zur Ruhe.“ Diese Art der Kommunikation empfinde er als Angriff, dem er wenig entgegensetzen könne.
Betriebsaufgaben und kreative Gegenstrategien
Die schwierige wirtschaftliche Lage führt dazu, dass immer mehr Eisverkäufer ihren Betrieb aufgeben müssen oder gar nicht erst starten. Allein die Anschaffung einer Eismaschine stellt eine erhebliche Investition dar. Trotzdem gibt es Kunden, die ihr Eis sogar zu Hause wiegen, um die Grammzahl zu überprüfen – eine Anekdote, über die Wilfried Hahn nur schmunzeln kann.
Beide Betriebe setzen auf Qualität und Innovation, um Kunden zu halten. Hahn hat eine indische Mango-Paste ins Sortiment aufgenommen, während Grimm zwei neue Sorten einführt: Kaugummi-Eis und eine vegane, besonders kräftige Schokoladensorte. Zudem plant er, Tische und Stühle unter der großen Kastanie auf dem Apothekerplatz aufzustellen, um den Gästen mehr Komfort zu bieten.
Die Beurteilungen im Internet nehmen die Betreiber gelassen. „Seltsame, unhaltbare Kritiken lassen uns kalt. Wir geben nichts da drauf. Unsere Kunden kommen auch so“, erklärt Hahn. Trotz aller Herausforderungen freuen sich beide auf die kommende Saison und hoffen auf viele zufriedene Gäste.



