Im Konflikt um die geplante Schließung des Erfurter Zalando-Logistikzentrums hat der Betriebsrat dem Vorstand des Dax-Konzerns persönliche Botschaften der Belegschaft übergeben. Bei einem Treffen in Berlin wurden rund 1.250 Postkarten mit Sorgen, Forderungen und Gedanken von Mitarbeitern, deren Familien und Freunden an die Konzernspitze überreicht.
Betriebsratschef Tony Krause zeigte sich nach dem Gespräch mit Co-Vorstandschef David Schröder zufrieden: „Für uns hat sich die Fahrt nach Berlin gelohnt. Wir haben ein Zeichen gesetzt.“ Schröder erklärte, man sei sich der Auswirkungen der Entscheidung bewusst und wolle den Beschäftigten Klarheit verschaffen. Er verwies auf die beantragte Einigungsstelle, gegen die der Betriebsrat vor dem Thüringer Landesarbeitsgericht klagt.
Krause schloss weitere Gespräche vor der gerichtlichen Entscheidung nicht aus. Seit dem 5. März habe es keine Gespräche gegeben. Arbeitnehmer des Logistikzentrums starteten zudem eine Petition, um Verhandlungen zu erzwingen. Parallel beteiligten sich Arbeitnehmervertreter aus Erfurt und Berlin an einer Kundgebung vor der Konzernzentrale.
Am Nachmittag traf sich die Erfurter Delegation mit Bundestagsabgeordneten auf Einladung von Bundestags-Vize Bodo Ramelow. Ramelow hatte zuvor die Schließung als wirtschaftlich nicht vertretbar bezeichnet. Er verwies auf Schließungskosten von 80 Millionen Euro, während eine Modernisierung des Standorts Experten zufolge rund 120 Millionen Euro kosten würde. „Die Differenz ist viel zu klein, um den Standort wegzuschmeißen“, so Ramelow.
Zalando plant, das Logistikzentrum im September zu schließen, was den Verlust aller 2.700 Arbeitsplätze in Erfurt bedeuten würde. Der Konflikt schwelt seit Jahresbeginn, es gab bereits zwei Betriebsversammlungen und eine Demonstration. Ein Arbeitsgerichtsverfahren um die Einigungsstelle läuft.



