ARD-Doku enthüllt: Windkraft-Betrüger Hendrik Holt - Gier als Geschäftsmodell
ARD-Doku: Windkraft-Betrüger Hendrik Holt - Gier als Geschäftsmodell

ARD-Dokumentation rollt spektakulären Windkraft-Betrug auf

Mit selbstsicherem Auftreten und auffälligen Luxus-Insignien gelang es dem aus dem emsländischen Haselünne stammenden Hendrik Holt, große Energiekonzerne um Millionenbeträge zu betrügen. Nun zeigt eine ARD-Dokumentation die faszinierende und erschreckende Geschichte hinter diesem aufwendigen Betrugsfall, der die deutsche Wirtschaftslandschaft erschütterte.

Jung, ehrgeizig und unersättlich: Der Aufstieg eines Betrügers

Noch nicht einmal Mitte 30 war Hendrik Holt, als ihn das Landgericht Osnabrück in mehreren Verfahren zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilte. Die Anklagepunkte waren vielfältig: bandenmäßiger Betrug, Bestechung und Urkundenfälschung bildeten nur die Spitze des Eisbergs. Holt verkaufte ausländischen Stromkonzernen angeblich existierende Windparks, die in Wahrheit niemals existierten. Sein kriminelles Netzwerk reichte bis in die eigene Familie hinein.

Rund zehn Millionen Euro erbeuteten Holt, ein Mittäter und Familienangehörige mit ihrer Firma Holt Holding. Der Betrug war systematisch und professionell organisiert. Holt bestach sogar ausländische Diplomaten, um sich mit einem Diplomatenpass gegen deutsche Strafverfolger immun zu machen. Als "nur als Witz" bezeichnete er seinen frei erfundenen Doktortitel, der jedoch Teil seines manipulativen Auftretens war.

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Die ARD-Dokumentation: Einblicke in die Gedankenwelt eines Betrügers

Nun nähert sich die Haftzeit ihrem Ende, und die ARD zeigt mit "Holt - Der Windkraft-Schwindler" einen tiefgehenden Dokumentarfilm über den verurteilten Betrüger. Die Produktion von Jan Peter, Sandra Naumann sowie den Produzenten Alexander Bickenbach und Manuel Bickenbach bietet ein vielschichtiges Porträt. Neben Holt selbst kommen Familienangehörige, frühere Mitarbeiter, Ermittler von Staatsanwaltschaft und Polizei sowie Journalisten zu Wort.

Holt präsentiert sich als jemand, der seit Kindertagen gewohnt ist, im Mittelpunkt zu stehen und zu bekommen, was er will. Seine Vorliebe für große Auftritte ist unübersehbar: Maßgeschneiderte Anzüge mit Einstecktuch gehören zu seinem Standardrepertoire. In seiner Zeit auf freiem Fuß unterhielt er einen Fuhrpark von 18 Luxuswagen, beschäftigte drei Fahrer und zeigte sich mit auffälligem Siegelring und teurer Luxusuhr.

Geschäftstätigkeit als reine Fassade

Die Filmaufnahmen entstanden in der JVA im brandenburgischen Heidering und auf Freigängen. Holt stellt sich als "Unternehmer und Abenteurer" dar, der in eine Situation geriet, in der er sich entscheiden musste, ob er oder "die anderen" gewinnen würden. Er räumt ein, sich moralisch vielleicht falsch entschieden zu haben, betont aber: "Aber faktisch nicht falsch. Ich sehe mich ganz klar als Gewinner, ganz eindeutig."

Staatsanwälte, die in der Dokumentation zu Wort kommen, sehen dies anders. Staatsanwalt Nils Leimbrock erklärt deutlich: "Bei Holts Firmen sei es nicht so gewesen, dass es im Zuge einer normalen Geschäftstätigkeit zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Es waren alles nur Gesellschaftshüllen zur Begehung von Straftaten."

Familienhintergrund und moralische Verwerfungen

Holt beschreibt seinen "Willen zur absoluten Macht" und den "gewissen Killerinstinkt" als entscheidende Erfolgsfaktoren. Sein großes Vorbild war sein Großvater, der in Haselünne ein Bauunternehmen besaß und Menschen "wie ein General beim Militär herumkommandierte". Der Großvater habe ihm früh vermittelt, dass er privilegiert sei: "Ich war immer der Juniorchef und von daher immer gewohnt, mit großer Höflichkeit und Achtung angesprochen zu werden."

Der Tod des Großvaters im Jahr 2003, als Holt zwölf Jahre alt war, markierte einen Wendepunkt. Das Bauunternehmen ging in die Insolvenz, die Familie musste ihre Häuser verkaufen. Holt empfand das weitere Leben in Haselünne als schwierig, da ihm angelastet wurde, dass die Väter seiner Mitschüler ihre Arbeit verloren hatten. Seine Schulzeit beschreibt er als "desillusionierend" und die Berufswünsche seiner Mitschüler als "engstirnig und kleingeistig".

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Moralischer Kontrapunkt: Die Großmutter

Während Holt keine Reflexionen über sein unrechtes Handeln zeigt, verkörpert seine Großmutter Oma Margaretha den moralischen Kontrapunkt. Die streng katholisch erzogene Frau zeigt sich bestürzt über Hendriks Verhalten und fragt, was in der Erziehung schiefgelaufen sei. "Was nicht Dein ist, das lass liegen" sei ihr beigebracht worden, erzählt sie. Hendrik sei als Kind ein lieber Junge gewesen, aber "man hätte ein bisschen strenger sein sollen".

Verheerende Folgen für Mitarbeiter

Dass Holt mit seinen kriminellen Machenschaften auch gutgläubige Mitarbeiter ins Unglück stürzte, kommt in seiner Gedankenwelt nicht vor. Sein damaliger PR-Berater Holger Keuper berichtet jedoch von verheerenden Folgen: Nach Holts Verhaftung in einer Luxus-Suite des Berliner Hotels Adlon wurden seine Konten gesperrt, er verlor sein Haus, das Holt gehörte, und seine Ehe zerbrach. "Ein Desaster", fasst Keuper zusammen.

Gier als Leitmotiv und fragwürdige Vorbilder

Staatsanwalt Leimbrock charakterisiert Holt als jemanden mit vielen guten, aber auch schlechten Eigenschaften - wobei Gier die allerschlechteste sei. Holt selbst dreht diese Bewertung um und erklärt: "Gier ist gut." Damit bekennt er sich zu einer der sieben Todsünden, was seine fromme Großmutter sicherlich entsetzt.

Am Ende des Films verkündet Holt, für ihn gebe es nur Freund oder Feind - und nennt ein bezeichnendes Vorbild: "Wenn ein Donald Trump gezeigt hat, dass er amerikanischer Präsident werden kann, mit einer Vorstrafe, und zum mächtigsten Mann der Welt wird, dann kann ich alles werden. Dann ist alles möglich." Diese Aussage unterstreicht sein Weltbild, in dem moralische Grenzen keine Rolle spielen.

Die ARD-Dokumentation "Holt - Der Windkraft-Schwindler" bietet somit nicht nur die Aufarbeitung eines spektakulären Wirtschaftskriminalfalls, sondern auch tiefe Einblicke in die Psychologie eines Mannes, für den Gier zum Geschäftsmodell wurde.