Vom Dönerladen ins Netz: Wie ein 7-Jähriger aus Schwabing viral ging
Mirans erstes Video auf Instagram wird in nur zwei Wochen mehr als 1,5 Millionen Mal angeschaut – und gefeiert. Auch weil er Papas Döner im Torros am Schwabinger Nordbad so „schmackhaft“ findet. Die AZ hat den kleinen Münchner Instagram-Star getroffen.
„Hallo liebe Leute, ich bin Miran, der Sohn vom Chef“, sagt der Bub vor dem Schwabinger Dönerladen seines Papas – und man kann gar nicht anders, als ihn spontan ins Herz zu schließen. Der Siebenjährige im grauen Fußballtrikot hält sehr lustig einen Pfannenwender in der Hand, darauf klemmt ein Mini-Mikrofon. Er preist den „Schüler-Döner“ für 4,90 Euro an und stellt seinen Papa vor, der im Hintergrund hausgemachtes Brot bäckt. Und er sagt auf eine so entzückende Weise „schmackhaft“, dass sich gerade das Netz überschlägt. Mehr als 1,5 Millionen Mal ist Mirans Video angeschaut worden, seit sein Vater, der Chef von Torros Grill House am Nordbad, es vor einer Woche auf der Videoplattform Instagram hochladen ließ. Über 112.000 rote Herzchen hat der Zweitklässler schon gesammelt.
Und Begeisterungsstürme in den Kommentaren aus ganz Deutschland: „Muss einfach weinen, weil du so süß bist“, ist da zu lesen. „Geborener Moderator/Reporter!“ oder „Ich komme zwar aus Norddeutschland, aber du hast mich überzeugt, dass mein nächster Döner in München gegessen wird.“
„Zufällig entstanden“: Was seine Eltern sagen
Mirans Eltern können den Hype um das Video noch gar nicht fassen. „Das ist eigentlich zufällig entstanden“, erzählt Papa Bawar Abdullah (39) kopfschüttelnd der AZ, als die im Dönerladen vorbeischaut. An dem Tag seien zwei Socialmedia-Macher da gewesen, um mit dem Ladenchef ein Video zu drehen. „Aber ich war müde. Da kam gerade Miran von der Schule, und dann wollte er das für mich machen.“ „Stimmt“, sagt Miran, „in meinem Kopf weiß ich immer ganz schnell, was ich sagen will.“ Der Kameramann habe ihm also den Pfannenwender in die Hand gedrückt, das kleine Mikrofon daraufgeklemmt – „und dann habe ich angefangen zu erzählen, was es bei Papa alles zu kaufen gibt. Hähnchen- und Steak-Döner, Smashburger, Dürüm, Linsensuppe, Kartoffeln, Hähnchen und Reis und handgemachtes Brot. Ich brauche für so etwas keine Probe.“
„Schmackhaft ist doch ein richtig schönes Wort“
Und wie ist der Bub auf das Wörtchen „schmackhaft“ gekommen? „Das ist mir selber eingefallen“, sagt er lachend. Es sei doch auch ein richtig schönes Wort. Das Talent zum Erzählen vor Publikum könnte Miran übrigens haben, weil er aus einer Künstlerfamilie stammt. Bevor Papa Bawar 2011 aus Erbil, der Hauptstadt der Region Kurdistan im Nordirak, der Liebe wegen nach München kam (Mirans Mama lebt seit ihrer Kindheit in München), sei er Schauspieler am Theater gewesen, erzählt Bawar Abdullah. „Ich war in Erbil auf der Schauspielschule. Mein Bruder ist dort ein bekannter Fernsehmoderator und der Opa Sänger und Geigenspieler, er hat große Konzerte mit kurdischer Musik gegeben.“
Zehn Jahre habe Bawar Abdullah in München erst mal als Angestellter in Dönerläden gearbeitet. Und sich dann mit einem eigenen Dönergeschäft selbstständig gemacht. Zuerst mit dem Torros an der Barerstraße in der Maxvorstadt, seit eineinhalb Jahren auch mit der zweiten Filiale am Nordbad. „Theater kann ich in München nicht mehr spielen“, sagt der Ladenchef, aber ich koche auch sehr gern. Darum mache ich jetzt Döner – mit Liebe.“ Das Jungbullenfleisch dafür bezieht er aus Österreich, das Hähnchenfleisch aus Norddeutschland. Die Soßen für die Döner – eine scharfe, eine Cocktailsoße und eine aus Joghurt und Kräutern – mischt er alle selbst von Hand an. „Es hat Jahre gedauert, bis sie für mich perfekt waren.“
Wie geht es weiter mit der Karriere?
Und wie geht es nun weiter mit Mirans Instagram-Karriere? Fünf neue Videos gibt es schon seit dem ersten vor zwei Wochen. Im Clip „Eine Nachricht von Miran“ bedankt sich der Zweitklässler bei den neuen Dönerladen-Followern: „Ich hab mich sehr gefreut, dass ihr mein Video gefeiert habt“, sagt er da, und: „Für meine Eltern und mich hat es sehr viel bedeutet, dass ihr in den Kommentaren geschrieben habt, ich bin süß und so weiter.“ In der Schule und auch von Lehrern wird der Grundschüler auch schon auf die Instagram-Videos angesprochen. Darüber muss der Bub schmunzeln: „Man fühlt sich ein bisschen bekannt an.“ Jedenfalls soll es nun jeden Monat sechs neue Kurzfilmchen aus Papas Dönergeschäft geben. „Das nächste“, sagt der Bub, „wird was Lustiges“.



