Trauer um Münchner Oktoberfest-Legende: Wiesn-Henker Ringo Praetorius ist tot
Trauer um Wiesn-Henker: Münchner Legende gestorben

Trauer um Wiesn-Henker: Münchner Oktoberfest-Legende ist tot

Er war Schankkellner, Türsteher, Lebemann und Charmeur – vor allem aber der Henker vom Schichtl. Jetzt ist Ringo Praetorius gestorben, eine Ikone des Münchner Oktoberfests, die fast vier Jahrzehnte lang mit ihrem einzigartigen Charakter die Massen begeisterte.

Ein bunter Lebenslauf voller Abenteuer

Über sein genaues Geburtsjahr hat Hjalmar Maximilian Ringo Praetorius gern ein Geheimnis gemacht und pflegte zu sagen: "I bin ungefähr Fünfasiebzge." Ursprünglich als Bildhauer und Kunsthistoriker mit Doktortitel ausgebildet, glänzte er mit unglaublichem Allgemeinwissen. Seine Schulzeit verbrachte er im Kloster Schäftlarn, bevor er als Kampfschwimmer bei der Marine diente. Dort erlebte er auf einer Strafinsel in der Nordsee ein heimliches Abenteuer mit der Frau eines Fischers, die ihm im Watt beibrachte, wie man mit den Zehen Schollen fischt.

Anfang der 60er Jahre mischte der Sohn eines Dramaturgen bei den Schwabinger Krawallen mit. Er wurde zeitweise wegen Landstreicherei inhaftiert und bewegte sich im Dunstkreis von Uschi Obermaier, mit deren Schwester er ein Techtelmechtel hatte. Der gebürtige Landsberger war ein waschechter Stenz mit feinem, oft schwarzem Humor, Gourmet, Charmeur und Lebemann. Seine Berufsfelder waren vielfältig: Christbaumverkäufer, Bildhauer, Sicherheitsbeauftragter und mehr.

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Kulinarische Vorlieben und Bierpflege einer Münchner Ikone

Ringo Praetorius aß und trank gern, und Zigaretten hatte er sozusagen "gfressn". Im Zweifelsfall konnte er aber auch "alle Fümfe grad sei lassn". Einmal transportierte der Hüne mit dem imposanten Schnauzer ein 30-Liter-Fass Münchner Bier nach Damaskus, weil er Bier nur aus dem Glas trinken wollte. Er legte enormen Wert auf Bierpflege und betonte: "A guads Fassbier will gut behandelt werden. Idealerweise kommt's bei acht Grad zum Gast, also muaßdas mit fünf Grad ins Glas zapfa. A Helles is mehr als a Durschtlöscher, es is flüssiger Charakter."

Eine Zeitlang arbeitete er mit Herzblut als Schankkellner im Atzinger und während der Pandemie in der Waldwirtschaft, wo er sich selbst als "Grüßaugust" bezeichnete. Außerdem war er vor der Wende Türsteher in West-Berlin in einer der wildesten türkischen Discos.

Die Kunstwerke und Ausstellungen von Ringo Praetorius

Zwischendurch schuf Ringo wundervolle Kunstwerke, darunter seine berühmten kopulierenden Öltanks. Es folgten Ausstellungen weltweit, von der Schweiz bis Japan, wo er als 1,95-Meter-Mann mit sentimentalen blauen Augen Eindruck hinterließ. Berühmtheit erlangte er jedoch vor allem als weiß geschminkter Henker mit Zylinder beim Schichtl auf der Wiesn, wo er fast 40 Jahre lang über 15.000 Menschen köpfte – natürlich als Attraktion mit Attrappen.

Der legendäre Henker vom Schichtl auf der Wiesn

Mit anarchischer Präsenz prägte Ringo den Satz: "Kopf hoch, stirbt si leichter." Dann sauste das Fallbeil hinab, und er präsentierte dem Publikum ein abgetrenntes Haupt. Die "Verurteilten" standen unbeschadet wieder auf und wurden mit erhöhtem Adrenalin in die Welt der Wiesn entlassen. Mit seinem langjährigen Freund Bussi, der als Henkersknecht wirkte, plante er die nie verwirklichte "Seepferdchenreise" über Epfach, Dundee und Agram (Zagreb).

Sein Spezl Flo trägt bis heute das Seepferdchen-Abzeichen auf seiner Trachtenweste. Mit Epfach verband ihn ein geheimnisvolles Band, da ein ortsansässiger Metzger ihm jährlich eine Hartwurst auf die Wiesn brachte. Den Backstagebereich vom Schichtlzelt nannte er "Pumakäfig" und ließ Schilder wie "Nicht füttern" anbringen.

Abschied von einer Münchner Institution

Ringo hat nie einen Schmarrn erzählt oder geflunkert. Sämtliche Anekdoten waren wahr, auch wenn sie sich abenteuerlich anhörten. Einmal ging er in Untrasried im Ostallgäu als Hahn zum Fasching und wachte erst am Donnerstag nach Aschermittwoch in Rosenheim am Güterbahnhof auf – immer noch im Hahnkostüm. Auf die Frage nach den Ereignissen sagte er einfach: "Mei, war halt Fasching."

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Als er gefragt wurde, wie lange er das noch machen wolle, antwortete er: "Bis ich umfalle." In der Nacht von Montag auf Dienstag ist Ringo Praetorius verstorben. Der ewige Henker von der Wiesn hinterlässt eine Lücke, die nicht so leicht zu füllen sein wird.